Neuer Wall – Leerer Wall?

Umbau am Neuen WallHeute Baustelle: Das ehemalige Geschäft von Ladage & Oelke im Neuen Wall © Norbert Schmidt

Parole Futschi – Einzelhändler verlassen den Neuen Wall, geben auf oder machen an neuen Standorten weiter.

Jahrzehntelang hatten Vermieter von Ladenflächen in der Hamburger City einen eher ruhigen Job. Die Nachfrage nach Ladenflächen in den Einkaufspassagen und Einzelhandelsladen war hoch. Einzelhändler und Markenstores standen Schlange und die Ladenmieten eilten von Hoch zu Hoch. Aber, der Boom des Online Handels hat schon von der Corona Pandemie die Krise des stationären Handels eingeläutet. Wer aufmerksam durch die City flanierte, konnte die Zeichen des Strukturwandels nicht übersehen. Jetzt wird selbst das Vermieten in bester Lage, wie dem Neuen Wall, schwierig.

Die Zeiten, in denen Einzelhändler bei Vermietern Schlange standen und um an die Flächen zu kommen hohe Ladenmieten akzeptierten, gehören der Vergangenheit an. Selbst in den besten Lagen der Hamburger City, in Shopping Passagen und Einkaufszentren stehen immer mehr Läden leer. Üblicherweise wird das mit Pop up Stores, die für temporäre Belegung sorgen, kaschiert.

Zwei geschlossene Läden am Neuen Wall in Hamburg
Futschi am Neuen Wall: Die Ewige Lampe hört auf und Faber-Castell ist umgezogen © Norbert Schmidt

Futschi:
Geschäfte schließen oder suchen sich preiswertere Standorte

Bummelt man aktuell auf dem Neuen Wall, dann ist Leerstand nicht mehr zu übersehen. Los geht es an der Ecke Neuer Wall/Jungfernstieg, die italienische Schuhmarke GEOX hat seinen Store geschlossen. Am 24. Dezember 2021 war für das inhabergeführte Fachgeschäft Ewige Lampe nach 132 Jahren Schicht im Schacht und es hat sich ausgeleuchtet. Der direkte Nachbar der Ewigen Lampe , Faber-Castell, hat die Biege gemacht. Die edlen Schreibgeräte werden jetzt im Levantehaus feilgeboten.

Neuer Wall: Budapester Schuhe machen Räumungsverkauf © Norbert Schmidt

Auch die große Ladenfläche von Jil Sander, die schräg gegenüber liegt, ist seit September verwaist. Dabei soll der Abschied vom Personal wohl nicht ganz so nobel gewesen sein. Das Hamburger Modelabel Liz Malraux hat Segel gestrichen und der Laden ist schon seit einiger Zeit verwaist. Den Rückwärtsgang nach Berlin hat Budapester Schuhe eingelegt und schließt seinen großzügigen zweistöckigen Laden. Den Herrenausstatter Ladage & Oelke hat es zum Alten Wall gezogen. Das heute ist aktuell eine Baustelle. Das große Ladenlokal des Modehändlers The Other Story steht leer, er ist in die Spitalerstraße umgezogen.

Leeres Ladengeschäft in der Hamburger City
Liz Malraux hat den Standort aufgegeben © Norbert Schmidt

Noch sind die Flagship-Stores von internationalen Modelabels und Luxusmarken bereit die hohen Mieten zwischen 200 und 300 Euro zu zahlen. Unter Einzelhandelsexperten ist es ein offenes Geheimnis, dass die erzielten Umsätze in nicht wenigen Fällen nicht die Kosten decken. Wenn dann noch der Hamburger Senat denkt, mehr Fahrradfahrer würden die City attraktiver machen und Luxuslagen wie den Neuen Wall neue Kunden bringen, dann kann man als unbeteiligter Beobachter sich schon so seinen Teil denken. Nicht nur in der Bundespolitik war Bullerbü ein realistisches Ziel. Wie die Folgen der Corona-Pandemie und des Putins Ukrainekrieges den Luxusmarkt und die Konsumbereitschaft beeinflussen, ist noch vollkommen offen.

Leeres Ladenlokal im Neuen Wall
Neuer Wall: Der geschlossene Shop von Jill Sander © Norbert Schmidt

Die Gastronomie kann die Lücken schwer füllen

Auch Gastronomie kann nicht jede Lücke füllen, denn die Corona-Pandemie hat die Branche schwer getroffen und viele, auch renommierte, Betriebe kämpfen ums Überleben. Dazu kommt Einzelhandelsflächen können nicht problemlos in Gastronomielagen umgewandelt werden. Der Trend zum Home Office hat die City-Büros merklich geleert und zur Mittagszeit ist es deutlich ruhiger in Coffeeshops, Cafés, Restaurants und Imbissen geworden. Einige Mietwohnungen mehr in der City werden auch keine Trendumkehr bringen.

Zum Glück hat Hamburg mit den BIDs (Business Improvement District) ein leistungsfähiges Instrument für die Standortverbesserung und das -marketings. Hier arbeiten die Stadt, die Immobilienbesitzer und der Handel gut zusammen. Probleme werden nicht beschönigt, sondern es werden Konzepte und Lösungen gesucht. Das ist ein echter Pluspunkt. Denn in den Punkten Pflege, Sicherheit und Aufenthaltsqualität ist der Neue Wall vorbildlich und führend. Auch ein Ergebnis des BID Neuer Wall.

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