Das Fairmont Vier Jahreszeiten trennt sich von Flaschen

Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten (C) HotelFairmont Hotel Vier Jahreszeiten (C) Hotel

Das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten räumt seinen Weinkeller auf und verkauft bis Samstag, den 21. November 10.000 Flaschen im großen Festsaal.

von Angelika Fischer
Weinliebhaber aufgepasst, einer der größten Weinkeller Europas räumt eines Teil seines Bestands. Das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg hat sich – Lockdown-bedingt – dazu entschlossen, seinen Weinkeller komplett umzubauen und in eine Erlebniswelt für Gäste zu verwandeln. Geplant ist eine phantastische Event-Location für Besichtigungen, Weinproben und  „Wine Dinner“ für bis zu zwölf Personen.

Der sage und schreibe 500 (!) Quadratmeter große Hotel-Weinkeller mit einer maximalen Kapazität von 50.000 Flaschen ist einer der größten Europas und  wurde vor über 120 Jahren von Hotelgründer Friedrich Haerlin angelegt, der von hier aus einen Weinhandel für Hamburger Hotels und Restaurants betrieb.

Weinlagerung im Restaurant Harlin Hamburg
Weinregal im Haerlin Restaurant des Fairmont Vier Jahreszeiten (c) Hotel

Durch die Wirren des Kriegsendes und der Nachkriegszeit gerettet

Dank seines Einfallsreichstums haben seine Wein-Schätze sogar die britische Besatzungszeit von 1945 bis zur Rückgabe der Immobilie 1952 unbeschadet überstanden: Bevor die Engländer das Hotel beschlagnahmten, hatte Haerlin einfach eine Zwischenwand eingezogen, diese akkurat verputzt, dadurch gut getarnt und den Weinkeller auf diese Art quasi „eingemauert“. So ging während der gesamten siebenjährigen Besatzungszeit von den Wein-Raritäten nicht eine einzige Flasche verloren!

Der Gesamtwert aller Flaschen im Keller des Vier Jahreszeiten liegt heute bei geschätzten 1,2 Millionen Euro. Im Zuge der aktuellen Umgestaltung des Weinkellers wird der Großteil der Weinkisten umgelagert und zum „Überwintern“ treppauf in den Elbsalon transportiert. Dieser Raum wird abgedunkelt und auf die Kellertemperatur von 10 Grad heruntergekühlt.

Darüber hinaus kommen die bis zu 120 Jahre alten Raritäten und vinologischen Kostbarkeiten in eine Suite im 5. Stock. Auch diese historischen Erinnerungsstücke, bei denen es weniger um die Genusstauglichkeit, als um den Sammlerwert geht, werden bei Dunkelheit und völliger Ruhe bei 10 Grad gelagert – darunter auch die älteste Flasche aus dem Gründungsjahr 1897! Dies alles ist möglich, da während des erneuten Lockdowns von den 150 Zimmern des Hauses lediglich 25 belegt sind.

Trotz der Verlagerung des Großteils seiner Flaschen muss sich das Hotel im Zuge des geplanten Weinkeller-Umbaus aber doch von rund 10.000 Flaschen trennen. Diese werden bis Samstag, dem 21. November 2020 jeweils von 10 bis 16 Uhr im großen Festsaal des Hotels verkauft – von 4 Euro pro Flasche an aufwärts bis hin zu 95 Euro. Der Einstiegswein für 4 Euro ist ein trockener Weißburgunder vom VDP-Weingut Wittmann aus Rheinhessen, der im Fachhandel rund das Dreifache kostet – wer also früh kommt, hat die besten Chancen auf ein Schnäppchen!

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