Ein Mann mit Mission – ohne missionieren zu wollen.

Florian Flemke Start up Unternehmer verkauft KaffeeStart-up-Unternehmer Florian Lemke von OHNE ist selber ein großer Kaffee-Fan. Foto: Cyrh Rhida

Florian Lemke will Deutsche von seinem entkoffeiniertem Kaffee OHNE überzeugen.

Deutschland ist Kaffeeland: das ist nichts Neues, das weiß man, dass die Deutschen große Kaffeetrinker sind. Umso erstaunlicher ist allerdings, dass es in den vergangenen zwanzig Jahren nochmal einen regelrechtem Boom in Sachen Kaffeekonsum gegeben hat – und dieser noch anhält und höchstwahrscheinlich auf unbestimmte Zeit anhalten wird. An einer bestimmten Art von Kaffee rauschte dieser enorme Auftrieb jedoch so gut wie vollkommen vorbei: dem koffeinfreien Kaffee. Wer heutzutage ein modernes Cafè der zahlreichen nationalen und internationalen Kaffeehaus-Ketten der Innenstädte besucht, bekommt teils über 20 verschiedene Kaffeesorten in allen möglichen Variationen angeboten.

Der koffeinfreie Kaffee fristet aber dabei ein Nischendasein. Das muss nicht sein, findet Start-up-Gründer Florian Lemke. Sein Produkt mit dem schlichten Titel OHNE soll Schwung in den Kaffeemarkt bringen, denn der Jungunternehmer ist sich sicher:

Pandemie konnte dem Unternehmensplan (fast) nichts anhaben

„Koffeinfreier Kaffee ist ein Genussmittel, das für viele interessant ist. Das größte Problem war bisher einfach ein unvorteilhaftes Image als Getränk für Menschen mit Herz- oder Kreislaufproblemen“.

Dass der Beginn der Business-Idee mit dem Start der Pandemie synchron verlief, erwies sich dabei als kaum hinderlich. Kaffee, ob mit oder ohne Koffein, wird immer getrunken, das kann auch ein weltweiter Lockdown nicht aufhalten. Gerne hätte Lemke sich zwar das Anbaugebiet in Äthiopien und die Lieferkette vor Ort persönlich angesehen, das will er aber sobald es geht nachholen. „Dieser Reise-Aspekt ist natürlich ausgefallen. Ich kenne zwar mittlerweile alle Kooperationspartner, aber eben nur per Video“, erzählt er. Aus diesem Grund konzentrierte man sich vorerst auf den lokalen/regionalen Bereich, um die ersten Feedbacks auf den OHNE Kaffee einzusammeln. Als Strategie wählte der ehemalige Profi-Wasserballer die Platzierung seines koffeinfreien Kaffees direkt an dem Ort, an dem sie konsumiert werden: in Cafés zum Beispiel. Nun, da die Pandemie in Deutschland abzuebben scheint, soll es volle Power losgehen. In der Zwischenzeit gab es eine Änderung in der Unternehmensstruktur, Florian Lemke ist nun alleiniger Gesellschafter. „Für die nächste Zeit sind viele Promotion-Aktionen geplant“, kündigt er an. „Und auch ein Podcast zum Thema ‘Grenzenloser Genuss’, beleuchtet unter allen möglichen Aspekten, läuft bereits schon“. Die Zukunft sieht er durchaus positiv. Der Anteil des entkoffeinierten Kaffes am Kaffee-Gesamtkonsum wächst in Deutschland zwar, ist aber dennoch verglichen mit anderen Ländern relativ gering. Hierzulande wollen nur 5% der Kaffeetrinker entkoffeinierten Kaffee haben, in Spanien zum Beispiel liegt er bei 20%. Und Italien importiert immer mehr entkoffeinierten Kaffee – der in Deutschland produziert wird. „Da ist viel Luft nach oben“, freut sich der Hamburger Unternehmer und Kaffee-Fan, vor allem allem da der Anteil in der anvisierten Zielgruppe von OHNE laut einer eigenen Umfrage bereits bei knapp 30 Prozent liegt und seine Einschätzung somit bestätigt.

Erfahrung als Unternehmer

Der Neu-Kaffeemanager hat ein Master-Studium in Entrepreneurship in Wolfenbüttel abgelegt und war vorher in der klassischen Beratung tätig.

„Da gab es sehr viel zu lernen für mich, aber ich wollte unbedingt etwas machen, wo ich auch mit dem ganzen Herzen dabei sein konnte. Mit Leidenschaft dabei zu sein ist für mich immer eine Voraussetzung, sonst mache ich die Dinge nicht“, erläutert Lemke seine Einstellung. Seit 2013 ist er bereits Teilzeit- und seit 2017 Vollzeitunternehmer, ein Schwerpunkt lag in der IT-Branche und von da aus orientierte er sich immer stärker in die Organisationsentwicklung. „Damals stellte ich für meine Kunden die Fragen: ‘Wie werde ich durch die richtige Unternehmenskultur innovativer, aktiver, agiler, flexibler?’. Natürlich alles Punkte, die ich jetzt selber auch angehen muss. Insofern war das eine optimale Vorarbeit für mein eigenes Unternehmen“.   

Ex-Leistungssportler und Foodie mit großem Kaffeekonsum

Der dynamische Firmengründer bezeichnet sich als „Foodie“, als jemanden, der sich mit Leidenschaft kulinarischen Genüssen widmet. Dass er dabei dennoch eine sportliche Figur bewahrt hat, hängt mit zwei Faktoren zusammen: Lemke hat zum einen eine Vergangenheit als Leistungssportler (Wasserball-Bundesliga), Kalorienverbrennung geht bei ihm schnell und in hohen Mengen vor sich, und zum anderen hat er sich genau in dieser Funktion viel mit Essen aus qualitativer Sicht beschäftigt.

Dabei fiel dem passionierten Kaffeetrinker eine Sache auf, die ihm nicht besonders gut gefiel und er deswegen nach Alternativen suchte.

„Mir schmeckt Kaffee wirklich sehr gut und genau das war mit der Zeit das Problem: zu viel Kaffee bedeutet auch zu viel Koffein im Körper, das macht einen total hibbelig“.

Sein anschließender Versuch mit koffeinfreiem Kaffee fiel aber negativ aus, der Geschmack ließ sehr zu wünschen übrig und ähnelte nur entfernt den vom „richtigen“ Kaffee. Und dies war gleichzeitig die Initialzündung für seine spätere Unternehmensidee. „Ich begann mich zu fragen, ob ich aufgrund möglicherweise aufkommender gesundheitlicher Fragen in Zukunft irgendwelche Einschränkungen in meinen kulinarischen Gewohnheiten vornehmen müsste. Zum Beispiel eben beim Kaffee.

Für mich eine furchtbare Vorstellung und somit wollte ich mit OHNE eine Marke schaffen, dank der zukünftig niemand auf Grund von persönlichen Lebensumständen- oder Motivationen auf die genussvollsten Dinge im Leben verzichten muss“.

Koffeinfreier Kaffee hat schlechtes Image

Ohne Kaffee Moofoto Kaffeetasse auf einem Tablett
Beim koffeinfreien Kaffee OHNE von Florian Lemke muss man nicht auf den gewohnt-köstlichen Geschmack von Kaffee verzichten. Foto: F. Lemke

Dies führte bei Lemke und seinem anfänglichen Geschäftspartner zu einem Brainstorming mit dem Ziel, einen koffeinfreien Kaffee mit ganz neuem Ansatz zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Der zu Wünschen lassende Geschmack war aus der Sicht von Lemke nämlich das eine Manko beim koffeinfreien Kaffee, aber nicht das einzige. Auch das Image befindet sich in arg ramponiertem Zustand.

„Bei koffeinfreiem Kaffee haben alle das Bild von der TV-Werbung vor Augen, in der eine ältere Dame einem älteren Herrn eine Tasse koffeinfreien Kaffee bringt. Mit der nicht falsch zu verstehenden Botschaft, dass dies das richtige Getränk für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sei. Nicht umsonst kam dann meist direkt danach ein Spot für Doppelherz“,

erinnert sich der 31-Jährige.

Niemand unter 40 wolle sich darum mit so einem muffigen Lifestyle identifizieren, obwohl der Bedarf vorhanden ist. Dieses negative Bild wird verstärkt durch einfache, logistisch zu erklärende Gründe. Eben weil unter den gegebenen Umständen koffeinfreier Kaffee weniger angefragt wird, steht der vorgemahlene koffeinfreie Kaffee länger in den Cafés rum – manchmal monatelang -, verliert mit der Zeit an Geschmack und bestätigt somit wiederum den vorhandenen, eh schon schlechten Ruf. Und noch ein weiterer Aspekt verhagelt dem koffeinfreien Kaffee das Ansehen: die früher angewandte Technik bei der Entkoffeinierung der Kaffeebohnen. Zwar vor einigen Jahrzehnten zuletzt benutzt, aber bei manchen Menschen noch immer im Gedächtnis, ist das Verfahren der Reinigung und gleichzeitig Entziehung des Koffeins mittels Benzol. Was sich nicht gerade gesund anhört, erwies sich dann auch irgendwann als genau das, schlimmer noch: die Benzol-Reinigung wurde wegen der Gefahr der Krebserregung verboten.

Moderne Herstellungsmethoden von koffeinfreiem Kaffee greifen Gesundheit nicht an

Das sind jedoch alles hartnäckige Vorurteile, die Wirklichkeit sieht nämlich inzwischen anders aus.

„Fakt ist: auch in Deutschland kann mittlerweile seit mehr als 20 Jahren entkoffeinierter Kaffee natürlich, frei von chemischen Lösungsmitteln und fast ohne Geschmacksverlust hergestellt werden“,

weiß Lemke.

Bei der Herstellung gibt es diverse Techniken, beim koffeinfreien OHNE-Kaffee wird das CO2-Verfahren angewandt – ganz ohne Schädigung der Umwelt.

„Wir nehmen natürliches CO2, das in Deutschland gewonnen wird. Es kommt aus dem Boden und wird direkt dort gewonnen und dann für den Entkoffeinierungsprozess eingesetzt“.

Dabei werden die Bohnen befeuchtet, saugen sich voll und öffen dadurch die Poren. Danach kommen sie ineinen Tank, hier wird unter Druck flüssiges CO2 durchgepresst.

„Das CO2 holt dabei das Koffein raus und wirklich nur das Koffein, der Geschmack bleibt zu 99,9 % erhalten. Die Flüssigkeit wird dann anschließend wieder abgesaugt, der Kaffee wird getrocknet und hat weiterhin den gleichen Geschmack, allerdings eben ohne Koffein. Und das getrennte Koffein kann sogar noch weiterverarbeitet werden“.

Q-Grader geben Höchstnoten für Premium-Produkt OHNE Kaffee

Die Geschmackstester beim Kaffee sind die sogenannten Q-Grader und sie alle hielten bei ihrer Verköstigung des koffeinfreien Kaffees OHNE den Daumen nach oben.

„Das war für mich eine große Erleichterung als meine Experten ein positives Urteil gegeben haben“, sagt Lemke. „Denn die Meinung von diesen Fachleuten, eine Art Kaffee-Sommeliers, zählt viel in der Branche“.

Preislich ist sein Produkt in der Premium-Liga angesiedelt, was sich bei dieser hohen Qualität auch gar nicht vermeiden lässt. Lemke weiß allerdings auch, dass das in Deutschland und seiner „Preissensibilität“ – sprich: geizigen Einstellung – nicht einfach werden wird. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Deutschen durchschnittlich 10 Euro pro Kilo für Kaffee ausgeben. Und der entkoffeinierte OHNE Kaffee kostet im Kilo-Pack 32 Euro und in der 250g-Tüte liegt der Kilo-Preis sogar bei 39,20 Euro. Die Lösung liegt für ihn in der genauen Definition der richtigen Zielgruppe: Kaffee-Genießer, die bereit sind, für Premium-Produkte durchaus mehr zu zahlen. Und genau diese Zielgruppe sieht Lemke im Wachsen.

Trotz seiner mit viel Enthusiasmus vorgetragenen Business-Idee eines koffeinfreien Kaffees betrachtet sich Florian Lemke aber nicht als jemanden, der nun alle anderen vom normalen Kaffee abbringen will. „Ich bin nicht angetreten, um die Welt zum koffeinfreien Kaffee zu missionieren. Nein, ein ganz wesentlicher Punkt, den ich unbedingt hervorheben möchte, lautet: unser OHNE Kaffee kann auch als idealer Ergänzungs-Kaffee zu Kaffee mit Koffein begriffen werden. Denn ich selber trinke morgens Kaffee mit Koffein und nachmittags den OHNE Kaffee ohne Koffein. Und muss dabei nicht auf den von mir so geliebten typischen Kaffegeschmack verzichten“.

Mehr Infos über Kaffee OHNE hier.

von Cyrh Rhida

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