Anglo-German Club: Ein besonderer Ort gastronomischer Hochkultur

Garden Party im Anglo German ClubEine der schönsten Feier-Locations der Hansestadt: der Garten des Anglo-German Clubs an der Außenalster Foto: Angelika Fischer

Ein halbes Jahrhundert Gastronomie Pütter im Hamburger Anglo-German Club an der Außenalster.

von Angelika Fischer
Der Anglo-German Club ist als Hamburger Institution mittlerweile auch schon eine Hamburgensie geworden. Als Hamburg noch in Trümmern lag, kam Sir John Dunlop (High Commissioner der britischen Militärregierung, die ihren Hauptsitz in Hamburg hatte) im Jahr 1948 auf die Idee den Club zu gründen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollten die traditionell guten Beziehungen zwischen Hamburg und Groß Britannien wieder auf eine freundschaftliche Basis gestellt werden.

Ein britischer Club, der traditionell unpolitisch ist, ist dafür beste Grundlage. Hier trifft man sich zu vertraulichen Gesprächen und pflegt bei Geselligkeiten den freien Gedankenaustausch in heiterer Gelassenheit. Das ist etwas, was die britische Gesellschaft prägt, aber in Deutschland selbst in der Gegenwart immer noch ungewöhlich ist. Der Deutsche Nationalcharakter bevorzugt zumeist höchst moralische Grundsatzdiskussionen und die daraus resultierenden Verspannungen.

Das Mitgliederverzeichnis des Anglo-German Clubs war und ist das Who is Who von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Viele hochrangige, bekannte und verdienstvolle Persönlichkeiten waren und sind Clubmitglieder. Heute hat der Club rund 1200 Mitglieder. Neben der Pflege des Clublebens, werden britische Einrichtungen in Hamburg unterstützt, Korrespondenzbeziehungen zu anderen Clubs im Ausland und Übersee gepflegt.

Übrigens, Ehrenpräsident des Clubs können Sie ganz einfach werden, der amtierende Erste Bürgermeister Hamburgs ist auch Ehrenpräsident. Sie müssen also nur die „Kleinigkeit“ des Gewinns einer Hamburger Bürgerschaftswahl absolvieren.

Fünfzig Jahre interessante Gäste im Anglo-German Club

Der Anglo-German Club ist auch eine besondere herausragende Location für Empfänge, Events, Festessen, Firmenjubiläen, Hochzeiten und Geburtstage in Hamburg. Die gelbe Gründerzeitvilla mit ihrem Garten mit Alsterblick ist eine der schönsten Event-Locations in der Hansestadt – und dafür muss man keineswegs Club-Mitglied sein!

Herr über alle diese Festlichkeiten ist Gerald Pütter. Der 54-Jährige ist Betreiber der  „Gastronomie Pütter im Anglo-German Club“ in zweiter Generation, und die besteht erfolgreich seit nunmehr 50 Jahren. Sein Vater Eberhard Pütter, heute 86, hat die Gastronomie im Anglo-German Club im Sommer 1969 als Pächter übernommen, sein Sohn Gerald trat 1992 in das Geschäft mit ein, wurde 1994 Teilhaber und führt den Betrieb seit Ende 1998 alleinverantwortlich.

Dieses  besondere Jubiläum hat die Familie Pütter gemeinsam mit Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern, ehemaligen  Mitarbeitern und Gästen gebührend gefeiert.

„Ein 50-jähriges Firmenjubiläum ist in einer Stadt wie Hamburg eigentlich so gut wie nichts. In einem Pachtobjekt unserer Branche ist es aber schon etwas Außergewöhnliches, wenn man sich vor Augen führt, dass die durchschnittliche Lebensdauer eines gastronomischen Betriebes in Hamburg gerade einmal vier Jahre beträgt.“

Gerald Pütter in seiner Ansprache

Er betrachte es als ein Privileg, diesen besonderen Ort gastronomischer Hochkultur in zweiter Generation leiten zu dürfen, so Pütter weiter:

„Zum einen sind da unsere Clubmitglieder, die oft schon seit Generationen diesem Haus verbunden sind, und zum anderen kommen jeden Tag wieder neue spannende Gäste.“

Ein Blick ins Gästebuch des Hauses bestätigt dies: Willy Brandt trug sich einst hier ein, später Michail Gorbatschow, Helmut Schmidt und Angela Merkel sowie im Sommer 2017 als Ehrengast der traditionellen Garden-Party Princess Anne, Tochter von Queen Elizabeth II.

Tradition und Kontinuität sind im Anglo-German Club so etwas wie Markenzeichen. Es sei schon bemerkenswert, so Gerald Pütter weiter, dass eine Institution wie diese in einem halben Jahrhundert mit nur zwei Pütters – seinem Vater und ihm –  und nur zwei Club-Präsidenten – Baron Berenberg von Gossler und jetzt Claus-Günther Budelmann – ausgekommen ist.

Gruppenbild Familie Pütter die Gastronomen des Anglo-German Clubs
Club-Präsident Claus-Günther Budelmann gratuliert Eberhard Pütter, dessen Enkeln Laura und Lucas sowie Schwiegertochter Susanne und Sohn Gerald Pütter (von links)

Eigentlich wollte Pütter, wie er sagte, gar nicht in die  Fußstapfen seines Vaters treten. Er machte bei der damaligen Vereins- und Westbank eine Ausbildung zum Bankkaufmann, studierte  Betriebswirtschaftslehre: „Ich habe keinen  adäquaten Job gefunden und mich dann doch dafür entschieden, in unserer Gastronomie  mitzuarbeiten.“

Shocking: Frauen und keine Krawattenpflicht

Seit 27 Jahren ist er nun dabei. Damals, in den 1990er Jahren, hatten Damen mittags keinen Zutritt zum Restaurant und zur Bar, weder als Gast noch als  Bedienung (!). Doch die Regeln wurden geändert und seit 2016 gibt es auch keine Krawattenpflicht mehr für die Männer.

Geführt wird das Unternehmen in der Familie. Seine Frau Susanne ist in der Buchhaltung tätig. Die rund 30 festen Mitarbeiter sind oftmals schon seit Jahrzehnten hier tätig, denn Kündigungen sind sehr selten.

Ein Beispiel: Reimer-Eggert Schlüter war knapp 40 Jahre lang, von 1977 bis 2016, Küchenchef des Hauses. Seinen Nachfolger, den jetzigen Küchenchef Niels Vietheer, hat er vor 14 Jahren selbst ausgebildet. Bei der Jubiläumsfeier war Schlüter denn auch als Gast dabei und genoss es sichtlich, dass diesmal nicht er, sondern seine ehemaligen Kollegen die Verantwortung für das exquisite „Flying Buffet“ trugen…

Kleine Katastrophen sind das Salz in der Suppe

Ein weiteres Standbein der Gastronomie Pütter ist das Catering von Veranstaltungen außer Haus.

„Da passiert schon mal das eine oder andere Abenteuer. Einmal bekamen wir den Catering-Auftrag für ein privates Fest auf einer kleinen, unbewohnten Elbinsel. Die rund 60 Gäste kamen in kleinen Jollen angesegelt, eine Fähre oder Barkasse gab es nicht. Und so mussten wir alles – von Speisen und Getränken über Teller, Gläser und Besteck bis hin zu Klapptischen, Tischwäsche und Stühlen – nach und nach vorsichtig per Schlauchboot auf die Insel schaukeln und hinterher wieder retour…“

erinnert sich Gerald Pütter schmunzelnd.

Aber auch in der gelben Villa an der Außenalster kann Unvorhergesehenes passieren:

In der Milleniums-Silvesternacht war unsere Feier komplett ausgebucht“, erinnert sich Pütter. „Als die Band beim Empfang aufspielte brannte durch den hohen Stromverbrauch die Hauptsicherung durch. Was einen kompletten Stromausfall bedeutete. Was also tun? Die Rinder-Filetbraten haben wir außer Haus bei einem Kollegen fertig gegart und dann bei Kerzenlicht am Tisch der Gäste tranchiert – und zwar auf den Punkt rosa gebraten! Die einzige Beschwerde seitens der Gäste gab es, als nach anderthalb Stunden Handwerker-Notdienst das Licht wieder anging: Die Feier sei doch ohne elektrisches Licht und nur  bei Kerzenschein viel stimmungsvoller und gemütlicher gewesen…!“ 

Solche Anekdoten zeigen immer wieder: Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall. Die Improvisation, der Einsatz und der Einfallsreichtum von Küche und Service, werden von dem Gast als gekonnte Ergänzung wahrgenommen und bekanntlich sieht gerade das besonders Schwierige ganz einfach aus. Am Ende zählt der zufriedene Gast, der sich gut bewirtet fühlt.

Mehr Infos unter: www.gastronomie-puetter.de

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