Aus vorbei – Holsten knallt nicht mehr am dollsten in Altona

Das Symbol der Holsten Brauerei - der Holsten Ritter © ganz-hamburg.deDas Symbol der Holsten Brauerei - der Holsten Ritter © ganz-hamburg.de

Holsten verlässt seinen Hamburger Gründungsstandort dafür entsteht ein neuer Stadtteil – das Hopfenviertel

Die damals noch selbständige Holsten Brauerei  plante bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts den innerstädtischen Standort Hamburg Altona zu verlassen und nach Schenefeld ziehen. Jetzt ist es soweit: „Mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ hat der Holsten-Chef Sebastian Holtz heute im Hamburger Rathaus den Verkauf des Holsten-Geländes in Altona verkündet. Nach 137 Jahren verlässt damit die Hamburger Brauerei ihren Gründungsstandort.

Der Grund ist einfach, seit Jahren schrumpft der Biermarkt. Seitdem die Dänen vom Bierkonzern Carlsberg das Sagen in Holstenstraße haben, haben sie leider nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen. Die Produktion ist in den teilweise schon fast historischen Bauten einfach unwirtschaftlich geworden und zu groß dimensioniert.

Die gute Nachricht – ein neues Wohnquartier auf dem Holsten-Areal

Holsten wandert aus Hamburg nicht ab und sondern errichtet eine neue Braustätte südlich der Elbe in einem Gewerbegebiet in Hamburg Hausbruch. Das große Brauereigelände ist ein städtebauliches Sahnestück, das sich der Düsseldorfer Immobilieninvestor Gerch Group gesichert hat. Hier soll ein neues Quartier, das „Hopfenviertel„, mit rund 1.500 Wohnungen und Gewerbeflächen mit entstehen. Die Investitionen werden sich auf eine geschätzte dreiviertel Milliarde Euro belaufen. Über den Kaufpreis des Holsten-Areals wurde keine Informationen gegeben.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) machte durchaus einen erleichterten Eindruck, denn: „Holsten und Astra gehören zu Hamburg wie HSV und St. Pauli“. Naja, was nicht ganz stimmt, denn bis zur Übernahme von Astra durch die Holsten Brauerei waren beide Marken erbitterte Konkurrenten und Astra hatte damals bei weitem nicht so ein positives Image bei den Norddeutschen Biertrinkern. Die Traditionsbrauerei in den Mauern der Stadt zu halten ist für Olaf Scholz mehr als „nur“ Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu sichern.

Mit dem geplanten Hopfenviertel wird ein wichtiger Schritt für die Entwicklung Altonas getan. Die Gerch Group plant auf dem 86.500 Quadratmeter großen Areal fünf- bis siebengeschossige Gebäude und große Grünflächen im Auftrag der Stadt. Das Gr0ßprojekt Neue Mitte Altona, das ebenso wie das Holsten-Areal an die Harkortstraße grenzt, dient dabei als Vorbild. Neben Wohnungen (frei- und gefördert finanziert sowie Eigentumswohnungen) sind Flächen für kleine Handwerks- und Gastronomiebetriebe, Läden, Büros sowie ein Hotel geplant.

Die zwei Wahrzeichen der Holsten Brauerei bleiben

Das markante Sudhaus und der Julius-Turm mit dem Holsten-Ritter werden nicht abgerissen. Zukünftig wird eines der beiden Gebäude die Mikrobrauerei der Holsten Brauerei und Biermuseum aufnehmen. Auch die Administration von Carlsberg Deutschland und Holsten wird weiterhin an der Holstenstraße residieren.

Die neue Brauerei in Hausbruch, die 2018 startet, wird kleiner dimensioniert sein und mit einer Million Hektoliter Bier, nur 80% der Braukapazität von Altona haben. Sie wird allerdings auch, weil technisch wesentlich moderner, mit weniger Mitarbeitern betrieben werden können.

Die nächsten Schritte

Jetzt geht es in die Projektphase mit Wettbewerben für die Gestaltung und Realisierung und Bürgerbeteiligungsverfahren, ähnlich wie bei der Neuen Mitte.

Anmerkung: Der Autor war in den 80er Jahren in der Werbeleitung und Systemmanager in der Holsten Brauerei tätig.