Beim 33. Hanse Rendezvous war Musik Trumpf

Gruppenbild Hanserendezvous33. Hanse Rendezvous: Die Talkrunde Lars Meier, DJ MAD, Heike Wiehle-Timm, Lars Jessen (vL) Foto: Gute Leude Fabrik / Stephan Wallocha

Der Treff- und Talk-Punkt Hamburger Kulturschaffender  war im Ohnsorg Theater zu Gast. Wie immer wurde munter getalkt, diskutiert und genetzwerkt.

Im Ohnsorg Theater direkt im Bieberhaus vis-à-vis vom Hauptbahnhof trafen sich am letzten Montag gut 100 Menschen aus der Hamburger Kultur-, Musik, Theater- und Filmszene zum 33. Hanse Rendezvous zu der Initiators Lars Meier eingeladen hatte.

33. Hanse Rendezvous Juni 2019 im Ohnsorg Theater
33. Hanse Rendezvous – Die Gastgeberinnen Carina Dawert und Katrin Wölfle vom Ohnsorg Theater Foto: Gute Leude Fabrik / Stephan Wallocha

Netflix, Spotify & Co. setzen neue Spielregeln

Noch vor den Talkgästen begrüßte Lars Meier Helge Albers  (Geschäftsführer Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein) auf der Studiobühne des Ohnsorg Theaters.

Wer als Filmemacher nur das Kino im Fokus hat, ist nicht mehr zeitgemäß. Lineare Programme, ob im Kino oder im TV, verlieren an Bedeutung. Gerade die Streamingdienste setzen auf High End Serien. Helge Albers sieht hier interessante Möglichkeiten. Hamburg kann sich hier kreativ und vielfältig verwirklichen.

Auf die Frage, welches sein favorisierter Hamburg-Film sei, musste er nicht lange überlegen, da für ihn der Goldene Handschuh ein sehr smarter, intelligenter Film sei, der sich in der Öffentlichkeit weit unter Wert verkauft habe, so Albers.

Der Bühnentalk:
Musik ist Trumpf – auch beim Film?

Das Motto des Netzwerkabends und es Bühnentalks war „Musik ist Trumpf – vor allem im Film“. Im Gespräch, an dem auch Filmproduzentin Heike Wiehle-Timm und Regisseur Lars Jessen teilnahmen, verriet das Mitglied der Hip Hop Combo Beginner DJ MAD nicht nur seinen Einschätzung der aktuellen Filmlandschaft.

Gleich zu Beginn stellte Heike Wiehle-Timm heraus, dass der Hansestadt die Liebe zum Film fehle, die in anderen Städten wie z.B. Berlin oder München weitaus ausgeprägter sei. Sie vermisse den Glamour und die Begeisterung. Die Möglichkeiten, die Hamburg biete, würden nicht ausgeschöpft, womit sie von ihren Kollegen sowie dem Publikum begeisterte Zustimmung erfuhr. 

Lars Jessen ging noch einen Stück weiter und sprach auch die personellen Schwierigkeiten an, die das Genre zusätzlich erschwere. So seien Berufe hinter den Kulissen des Filmbusiness heute weitaus schwerer zu besetzen, was den Arbeitszeiten und auch unregelmäßigen Einsatzzeiten zuzuschreiben sei.

„Es ist für einen Bühnenbauer beim Film heute einfacher Zimmermann zu werden, da er hier nicht nur ein geregeltes Einkommen, sondern auch geregelte Arbeitszeiten hat, was beim Film nur selten möglich ist.“

Man sei heute vielmehr darauf bedacht, trotz steigendem Kosten- und Zeitdruck, die Rahmenbedingungen attraktiver und angenehmer zu gestalten, um entsprechend qualifiziertes und engagiertes Personal zu finden.

Das Publikum sowie die anderen Talkgäste belohnten diese klaren und ehrlichen Worte mit herzlicher Zustimmung und Applaus.

Prince – Gott habe ihn selig – ist schuld?

DJ MAD bemerkte zudem, dass in Hamburg immer weniger, bezahlbarer Raum für Nachwuchstalente in der Musik vorhanden sei, wo man seine Kreativität ausleben und sich entwickeln könne.

Gerade in der Anfangszeit sei es wichtig, Plätze zu haben, um seinen Ideen einen Raum zu geben. Auch die heutigen technischen Möglichkeiten würden seitens der Kreativen bei weitem nicht ausgeschöpft. Diese Liebe zum Handwerk sei in den letzten Jahren zusehends weniger geworden, was er sehr schade finde, so MAD.

Dann verriet er noch ein kleines Geheimnis:

Beinahe hätte es geklappt: Wir wären fast im Millerntor-Stadion aufgetreten. Es ist dann leider doch nichts geworden, weil zu laut für das angrenzende Wohngebiet. Da darf leider kein Konzert mehr stattfinden, das haben wir wahrscheinlich Prince zu verdanken vor 40 Jahren. Mein schönster Hamburg Moment bisher ist daher tatsächlich unser Konzert in der Roten Flora. Da stand ich sehr ergriffen auf dem Balkon und dachte, das kann doch alles nicht wahr sein. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann noch einmal mit dem Millerntor, das wäre schick.“

Es scheint so, als sei das Millerntor Stadion ein Ort der Begierde, von dem viele Musiker träumen. Aber, in der Zeit des Immissionschutzgesetzes ist dieser Traum wohl ausgeträumt. Aber, wer weiß es schon so genau? Vielleicht wird es DJ MAD und den Beginnern gelingen? Wir bleiben gespannt.

Hamburg? Da geht mehr als noch etwas

Was sich schon durch viele Abende des Hanse Rendezvous zieht: Eigentlich waren sich Publikum und die Talkgäste wie stets fast einig, dass Hamburg genügend Möglichkeiten offeriert, aber die Branchen sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht ausreichend nutzt. Die verschiedenen Ansätze und  Sichtweisen sprangen wie Funken auf das Publikum über. Beim anschließenden Netzwerken war so für genügend Gesprächsstoff gesorgt.  

Gäste beim 33. Hanse Rendezvous

An diesem warmen Juniabend im Ohnsorg Theater beim kulturellen Netzwerken u.a. gesehen: Helge Albers (Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein), Tessa Aust (Schmidts Tivoli), Christiane Dopp (Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein), Michael Ehnert (Autor, Schauspieler, Regisseur), Matthias Elwardt (Zeisehallen Kinobetrieb), Petra Frank (Schauspielerin), Mitra Kassai (Oll Inklusiv)kowalski, Hans Peter Korff (Filmschauspieler), Anna Kowalski (Anna Kowalski Casting), Urs Middelhauve (Uni Music), Heta Mantscheff (Schauspielerin), Sarah Masuch (Schauspielerin), Alexander Nowak (Elbphilharmonie und Laeiszhalle Betriebsgesellschaft mbH), Uriz von Oertzen (Kulturmanager), Ingo Pohlmann (Musiker), Christina Schonk (Büro für Internationale Kulturprojekte), Cornelie Sonntag-Wolgast (Parlamentarische Staatssekretärin a.D., Vorsitzende des Kulturforums Hamburg), Peter Urban (Moderator), Lilo Wanders (Schauspielerin), Susanne Wolff (Schauspielerin), Hannes Vater (Schmidt’s Tivoli).

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