Darf in Hamburg bald legal gekifft werden?

angieconscious / pixelio.deCanabis angieconscious / pixelio.de
Rausch nach amerikanischem Modell: Ginge es nach Vertretern der Grünen, Linken, FDP und nun auch der Jusos, wäre eine Entschärfung der Gesetze nach amerikanischem Vorbild denkbar.

Befürworter begründen ihren Vorstoß zunächst damit, dass die repressive Drogenpolitik hierzulande gescheitert ist, da sie nicht zum Rückgang des Cannabiskonsums geführt hat. Im Gegenteil, der Schwarzmarkt um das Rauschmittel blüht geradezu. Ende des vergangenen Jahres preschten in Berlin deshalb Grüne Politiker mit den Plänen zu einem Pilotprojekt hervor. Im Rahmen des Modellprojekts sollte unter wissenschaftlicher Begleitung die kontrollierte Abgabe von Cannabis in Coffeeshops erprobt werden. Auf diese Weise ließe sich der Konsum womöglich auf Dauer besser kontrollieren und der Schwarzmarkt austrocknen.
Ein weiterer Kernpunkt der Initiative ist die bereits seit langer Zeit geforderte Verhältnismäßigkeit von Cannabis-Delikten. Befürworter der berauschenden Pflanze fordern in erster Linie eine Entkriminalisierung von Cannabiskonsumenten.

In der Hauptstadt gilt besonders der Görlitzer Park im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als Hotspot der Drogenszene. Anwohner fühlen sich bereits seit langem von den dortigen Dealern gestört. Ähnliches ist im Florapark im Schanzenviertel sowie auf dem Hansaplatz in Hamburg zu beobachten. Diese Orte zählen zu den größten Anlaufstellen von Cannabiskonsumenten. Seit letztem Sommer hat die Anzahl der Dealer noch einmal merklich zugenommen. Deshalb melden sich auch in Hamburg immer mehr politische Vertreter für eine Legalisierung von Cannabis beziehungsweise eine Entschärfung der Gesetzgebung zu Wort.

Die strenge Drogenpolitik hierzulande hindert sich selbst an der Arbeit, denn sie verlangt die strafrechtliche Verfolgung jeder einzelnen Person, die an einem Joint gezogen hat – und das kostet Zeit und Energie. Eine kontrollierte Abgabe des Rauschmittels könnte die Behörden entlasten und würde vermehrt auf die Eigenverantwortlichkeit der Konsumenten setzen. Mit diesen Angaben werben die Jusos in ihrem Wahlprogramm für die Bürgerschaftswahl 2015. Ähnliche Ansichten teilen auch Grüne, Linke und die FDP. Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Fegebank fügt laut Hamburger Abendblatt hinzu, dass die meisten Verfahren ohnehin eingestellt werden. Die Linken legen den Fokus zusätzlich auf den medizinischen Nutzen der Cannabispflanze. In anderen Ländern, beispielsweise in mehreren Bundesstaaten der USA, ist medizinischer Cannabis bereits in speziellen Hanfapotheken erhältlich. Auch der Anbau von einigen wenigen Pflanzen für den Eigenbedarf ist unter anderem in Oregon erlaubt.

Auch hierzulande sind die positiven Eigenschaften der Pflanze bekannt. Das untermauerte im Sommer 2014 das Kölner Verwaltungsgericht in seinem Urteil, in dem es Schmerzpatienten das Recht zum Privatanbau des Rauschmittels zusprach. Doch unabhängig davon, ob Anwender Cannabis zu medizinischen Zwecken oder für ein High in der Freizeit nutzen, der eigenverantwortliche Konsum der Pflanze setzt eine weitreichende Aufklärung voraus. Derartige Aufklärungskampagnen könnten mit dem Modellprojekt aus Berlin erarbeitet und erprobt werden. Ob jedoch tatsächlich bald Coffeeshops in deutschen Städten eröffnet werden, steht derzeit noch in den Sternen.

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