Das Hamburger Geschäftsleben ist manchmal speziell

Geschäftshaus an der Elbe Foto: www.mediaserver.hamburg.de/C. SpahrbierDockland Geschäftshaus an der Elbe Foto: www.mediaserver.hamburg.de/C. Spahrbier
Das Hamburger Geschäftsleben konzentriert sich traditionell in einigen Vierteln. Einige ungeschriebene Regeln im Hamburger Geschäftsleben sind zu beachten.

von Bert Olsen
Hamburgbesucher sind immer wieder erstaunt, die quirlige City rund um die Alster bis hinunter zum Hafen ist Abends kein ausgesprochener Hotspot in Hamburg. Woran liegt das? Traditionell hat sich in der Hamburger City das kaufmännische Geschäftsleben der Stadt konzentriert und das Wohnen nach für nach verdrängt. Die Folge, gerade in Hamburgs Mitte hat mit die niedrigste Bevölkerungsdichte von allen Hamburger Stadtvierteln. Diese Entwicklung hat auch ihren Ausdruck in der Architektur gefunden. Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich in Hamburg ein ganz eigener Haustyp, das Kontorhaus, entwickelt. Ein Haus in dem nur Büros ihren Platz fanden und in dem zumeist große Fenster für Licht in den Räumen sorgten. Diese einzigartige Architektur hat ein ganzes Viertel entstehen lassen: Das Kontorhausviertel zwischen der Mönkebergstraße und der Speicherstadt ist Ausdruck des Hamburger Kaufmannstums. Sein prominenteste Gebäude das imposante Chilehaus (1922- 1924) mit seiner expressionistischen Backsteinfassade und dem berühmten spitz zulaufenden „Schiffsbug“, der dem Abmessungen des Grundstückes geschuldet ist. Im Kontorhausviertels allein residieren über 700 Unternehmen. Prägendes Element des Hamburger Geschäftslebens ist die Vielfalt und mittelständische Struktur. Der Hamburger Hafen ist immer noch das wirtschaftliche Herz der Stadt. Aber auch als Industriestandort (Airbus, Beiersdorf, Jungheinrich, Montblanc, Eppendorf, Hauni), im Handel (wie OTTO, Tchibo, ECE), in der Kreativ- und Verlagswirtschaft beherbergt Hamburg führende Unternehmen und weltbekannte Unternehmen.

Die klassischen Industrie- und Gewerbeunternehmen finden sich hauptsächlich im Hafengebiet: in Harburg, Wilhemsburg, Georgswerdern, Finkenwerder, auf der Peute und im Osten von Hamburg in Billwerder, Billbrock, Tiefstack und in Hamm-Süd. Darüber hinaus in vielen Gewerbegebieten und in Eidelstedt, Stellingen und Teilen von Altona. Hier schlägt das industrielle Herz der Stadt

Viele Hamburger Firmen, wenn sie standortunabhängig sind, legen einen gewissen Wert auf die „richtige“ Adresse, eine Form von Kaufmannsstolz. Ganz neue Hamburger Geschäftsviertel sind die trendige HafenCity, die Speicherstadt, die Bürogebäude ddie sich am Elbufer vom St. Pauli Fischmarkt elbabwärts bis hin nach Neumühlen wie eine Perlekette aufreihen. In der City und rund um die Binnenalster finden sich insbesondere klassische Hamburger Firmen wie Schiffsmakler, Reedereien, Anwaltskanzleien sowie Im- und Exporthäuser. Kreativunternehmen wie Werbe-, Internet-, PR-Agenturen haben ihre Cluster rund um den Mühlenkamp in Hamburg-Winterhude, in Eimsbüttel, St. Georg, dem Schanzenviertel, Altona und Ottensen. Das bunte und teilweise unkonventionelle Leben zieht sie dort an.

Gute Verkehrsanbindung der Hamburger Geschäftsviertel

Ein großer Vorteil für Geschäftsreisende ist der citynahe und sehr übersichtliche Hamburg Airport in Hamburg Fuhlsbüttel. Viele Abflüge und Fluglinien, kurze Wege, eine schnelle preiswerte Anbindung an die Stadt und das öffentliche Verkehrsnetz durch die Linie S1, die im zehn Minutentakt fährt, sind gerade auch für Geschäftsreisende interessant.  Taxifahrpreise vom Hamburg Airport sind nicht so kostenintensiv, denn eher kurze Fahrstrecken überwiegen. Am Hamburger Hauptbahnhof, dem Start- und Entpunkt vieler ICE- und IC-Linien, halten mit einer Ausnahme alle U- und S-Bahnlinien der Stadt.

Business Codes im Hamburger Geschäftsleben

Wer Geschäfte in Hamburg machen will, der sollte einige ungeschriebene Regeln beachten. Selbst junge Kreativunternehmen halten das Bild vom Hamburger Kaufmann hoch. Wer einen Termin bei einer alteingesessenen Hamburger Reederei hat, der sollte eine Krawatte tragen. Wer auf eine Frage nach dem Dresscode, „sportlich elegant“ als Antwort bekommt, der kann eine Jeans oder Chinos mit Hemd, Krawatte und Sakko (blauer Blazer) kombinieren und ist dann richtig angezogen.

Auf dem Weg zu einem Termin in einem Kreativunternehmen Foto: DELSEY

Mit diesem Outfit liegen Sie richtig bei einem Hamburger Kreativunternehmen Foto: DELSEY

Hanseatisches Understatement gehört zum guten Ton, Geld hat man vielleicht manchmal auch nicht, aber man spricht nicht darüber. Gerade Accessoires sind wichtige Signale der Persönlichkeit. Ob Laptop-, Aktentaschen oder Business-Rucksäcke, Sie können sicher davon ausgehen, Ihr Hamburger Gesprächspartner wird sehr fein darauf achten. Aber: „Ever – Ever – Ever“ nie jemals ein Wort oder gar ein Satz darüber verlieren. Bei der Wahl des richtigen Businessgepäcks ist nicht nur der Tragekomfort, das Gewicht und das Fassungsvermögen ein Kriterium. Welche Signale wollen Sie an ihren Gesprächspartner senden? Ein Gesprächspartern in einer Werbeagentur hat andere Codes als ein Einkäufer in einer Maschinenfabrik. Wählen Sie deshalb ihr Businessgepäck mit Bedacht aus und es sollte auch immer zu Ihrer Persönlichkeit passen. Sonst wirkt es wie eine Verkleidung und das mindert Ihren Auftritt.

Kommen wir zurück zum Hamburger Geschäftsleben. Wenn Sie am späten Nachmittag mit einem „Moin Moin“ oder vielleicht eher knappen „Moin“ gegrüßt werden. Dann hat das nichts mit der Tageszeit zu tun, sondern heißt einfach „Guten Tag“. Am besten Sie grüßen genauso zurück. Wenn Ihr Gesprächspartner mit Ihnen Essen gehen will, wird er oft sagen „wie wäre es mit einem Löffel Suppe“. Keine Angst, eine Suppe müssen Sie dann essen. Und bekommen Sie keinen Schreck, wenn Sie sich bedanken und Ihr Gegenüber sagt: „Nicht dafür… oder dafür nicht….“ Das ist die hanseatische Form von „Gern geschehen“ und ganz und gar nicht gleichgültig gemeint.

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