Der Hamburger Senatsbock ist eine Hamburgensie

Hamburger SenatsbockHamburger Senatsbock Flasche Abbildung: Brauerei

Der Hamburger Senatsbock ist ein Kind der Wirtschaftswunders in den 1950er und 1960er Jahren.

Der Hamburger Senatsbook entstand Mitte der 50er Jahre am Anfang des Wirtschaftswunders. Auch wenn die Narben des Krieges überall noch sichtbar waren, der Hamburger Hafen brummte wieder, viele Trümmer waren bereits weggeräumt und gefühlt wurde zu dieser Zeit an fast jeder vierten Straßenecke gebaut. Es herrschte allgemein eine optimistische Aufbau-/Aufbruchsstimmung in Stadt. Es ging spürbar aufwärts, wenn auch die Wohnverhältnisse noch sehr schlecht oder beengt und die Einkommen zumeist niedrig waren. Nach den Zerstörungen des Krieges, den unnötigen Opfern, den Jahren des Mangels und der wirtschaftlichen Not war wieder Normalität eingetreten. Die Qualität von Nahrungs-, Genussmittel und Bier verdiente wieder das Prädikat „Friedensqualität“.

Hamburger Senatsbock
Werbung für den Hamburger Senatsbock in den 50er Jahren

Die damaligen fünf Hamburger Brauereien: Holsten, Bavaria St. Pauli (Astra), Elbschloss (Ratsherrn), Bill und Winterhuder fingen wieder an sich über den Absatz und Werbung Gedanken zu machen, denn die Zeit in der alles gekauft wurde, war vorbei. Die Konsumenten wurden wählerisch und nicht nur das Einkommen, auch das Warenangebot wuchs.

Jeder Kenner des Biermarktes weiß es, in der dunklen kalten Jahreszeit wird weniger Bier konsumiert. So war die Idee, ein gemeinsamen Bockbieres für die Gastronomie zu kreieren, damit die Wirte wieder die Tradition der Bockbierfeste beleben können und mehr Fassbier-Umsatz machen, nahe liegend. Zusätzlich konnten die Brauereien eine teurere Spezialität für die damals zahlreichen Faschings- und Kappenfeste, die gefeiert wurden, anbieten. Werbung musste sein, zum ersten Bockbier-Fassanstich wurde hochoffiziell der damalige Hamburger Polizeipräsident, eine Promillegrenze war zu dieser Zeit unbekannt, eingeladen.

Die Idee der Brauereien schlug so gut ein, dass sich der Hamburger Einzelhandelsverband etwas angesäuert meldete, denn er wollte das Bockbier auch in Flaschen verkaufen, was ursprünglich brauereiseitig so nicht geplant war. Ein hanseatischer Kaufmann würde im Leben vieles tun, aber sicher niemals ein gutes Geschäft ausschlagen und so, Wunder über Wunder, schließlich war es ja die Wirtschaftswunderzeit, war der Hamburger Senats-Bock in Flaschen erhältlich.

Die wechselvolle Hamburger Brauereigeschichte

In den folgenden Jahren wuchs und gedieh der Absatz des Senats-Bocks. Prominente wie Max Schmeling oder Uwe Seeler (im Jahr 1961) kamen zum Anstich. Aber mit der Zeit veränderte sich der Markt und eine Fusionswelle pflügte die Hamburger Brauereilandschaft um.

Der norddeutsche Marktführer, die Holsten-Brauerei, sichert sich schon im Jahr 1956 die Aktienmehrheit an der Bill-Brauerei. Die Winterhuder Brauerei, die schon vor dem Krieg im Besitz der Becks Brauerei aus Bremen war, verschwand in den 70er Jahren ganz vom Markt. Elbschloss mit der Marke Ratsherrn hatte sich der glücklosen Brau und Brunnen-Konzern gesichert und wurde zum Konzernbetrieb.

Der Hamburger Senatsbock 1957 Filmbericht des NDR

Ein Filmbericht aus den 50er Jahren zeigt einen Bockbier-Anstich im Curio Haus bei dem neben dem Polizeipräsidenten Bruno Georges auch der 2. Bürgermeister und Senator für Wirtschaft und Verkehr Edgar Engelhard (FDP) anwesend war und der Senatsbock aus einem 400 Jahre alten Humpen verkostet wurde.

Mitte der 90er Jahre, als Brau und Brunnen seinen unrentablen Hamburger Braubetrieb aufgeben wollte, nur das Grundstück an der Elbchaussee war ein Filetstück, gingen die Markenrechte an die Bavaria St. Pauli Brauerei, die relativ kurz danach vom dominierenden Marktführer Holsten geschluckt wurde.

Aus kartellrechtlichen Gründen mussten die Brauer in der Holstenstrasse allerdings die Marke Ratsherrn wieder abstoßen. Im Jahr 2005 wurde sie an die dynamische Nordmann Getränkegruppe in Wildeshausen verkauft.

Es wurde wieder dänisch in Altona gesprochen

Aber auch in der Holstenstraße bliebt die Zeit nicht stehen. Im April 2004 verlor auch Holsten seine Unabhängigkeit und wurde vom dänischen Biergiganten Carlsberg A/S Gruppe übernommen und wird als Konzernbetriebsteil geführt. Ein Biergigant, der weltweit aktiv ist, ist allerdings nicht besonders an kleinteiligen lokalen Marktaktivitiäten interessiert.

So gesehen ist beim wiederbelebten Hamburger Senatsbock die Ratsherrn Brauerei die letzte Konstante. Mittlerweile ist die Ratsherrn Brauerei in den Hamburger Schanzenhöfen neu entstanden.

Das vorläufige Ende des Hamburger Senats-Bocks

Schon Ende der 1960er Jahre zeichnete es sich ab, die Zeit des Gemeinschaftsmarketings neigte sich dem Ende zu. Der Wettbewerb war härter geworden, der Handel hatte Bier als Sonderangebot, um Kunden anzulocken, entdeckt. Die Gastronomie verlor ihren Vorrang beim Bierabsatz. Deutschland trank sein Bier lieber Zuhause. Das Gemeinschaftsbier passte nicht mehr in die Zeit, und es behinderte sogar die Markenbildung und Profilierung der Brauereien. Zwischen den damals drei Hamburger Brauereien: Holsten-Brauerei, Bavaria St. Pauli und Ratsherrn waren die Gemeinsamkeiten mehr oder weniger aufgebraucht

Besonders die Holsten Brauerei, die mit Holsten-Edel und -Pilsener übermächtiger Marktführer in Hamburg und Schleswig-Holstein war, war ein ausgesprochener Gegner dieses aus damaliger Sicht „angestaubten“ Gemeinschaftsmarketings. Schließlich lieferte man sich sich heftige Werbe- und Verkaufsschlachten mit dem Ortsrivalen Astra.

Hinzukam, Bockbiere lagen nicht mehr im Trend, die Jugend trank Pils-Biere. Bockbier hatte einen zu hohen Alkoholgehalt (die 0,8 Promillegrenze wurde eingeführt). Der Absatz ging folglich kontinuierlich zurück und so wurde die Produktion des Hamburger Senats-Bocks schlussendlich in den 1970er Jahren ganz eingestellt. Heute erinnern nur noch einige Brauereisammelartikel wie Gläser, Bierdeckel, Flaschenetiketten und alte Fotos an diese Zeit.

Hamburger Senatsbock
Hamburger Senatsbock
Foto: Henning Angerer

Der Neubeginn des Hamburger Senatsbock in 2015

Die innovative und leidenschaftliche Hamburger Craft Beer-Szene belebt wieder diese schöne alte Tradition. Die Braumeister Ralf Gebhardt, (Gröninger Privatbrauerei), Oliver Wesseloh, (Kehrwieder Kreativbrauerei), Thomas Hundt (BLOCKBRÄU Brauhaus), Oliver Löb (Joh. Albrecht Brauhaus) und Thomas Kunst (Ratsherrn Brauerei) haben gemeinsam im Jahr 2014 die Idee geboren die Tradition des Hamburger Senatsbock wieder zu beleben. Am Donnerstag, den 29. Januar 2015 wird auf dem Museumsschiff Rickmer Rickmers der erste Hamburger Senatsbock als erstes gemeinschaftlich gebrautes Bier wieder angestochen. 

Hamburger Bierfreunde drücken Ihnen bestimmt die Daumen! Gerade regionale handwerkliche Lebens- und Genussmittel werden zunehmend von Verbrauchern nachgefragt und die Gemeinsamkeiten der kleinen Craft Beer Brauereien machen eine Kooperation sinnvoll.

Mehr Infos unter www.senatsbock.de

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