Nicht möglich: Deutschland ist ganz heimlich optimistisch

Club der Optimisten Herbstbrunch 2016 in der Hanse LoungeKlaus Utermöhle mit Lutz Herkenrath präsentieren die rheingold Studie zum Thema Optimismus (vl) © ganz-hamburg.de

Das halten bestimmt viele für nicht möglich: Deutsche sind optimistischer als ihr Ruf! Nur sind wir es eben ein wenig anders, zeigt eine Studie.

Nicht nur das Wetter war heiter als sich der Hamburger Club der Optimisten zu seinem alljährlichen Herbst-Brunch in der Hanse Lounge am letzten Samstag traf. Klaus Utermöhle (Vorstand des Clubs) versammelte wie gewohnt eine illustre Optimisten Schar, bei denen das Glas tendenziell halbvoll ist. In der Tat, Berufspessimisten, Schwarzseher und ständige Bedenkenträger waren trotz Suche nicht auffindbar.

Sehr launig präsentierten Klaus Utermöhle und Lutz Herkenrath die Ergebnisse einer aktuellen Studie des renommierten rheingold Instituts zu Thema Optimismus. Den zeigte Klaus Utermöhle augenscheinlich mit seinem Beinschmuck, der ein wenig an die Star Wars Stromtroopers erinnerte. Ein Vortrag, der ganz ohne Power Point Charts auskam und der wie aus dem Stegreif gehalten wirkte. Kein Wunder, dass die versammelten Optimisten heiter die Informationen aufnahmen.

Laut der tiefenpsychologischen Befragungen sind die Deutschen optimistischer als ihr Ruf vermuten lässt. Statt ihre positive Einstellung laut zu postulieren, reflektieren Deutsche zunächst, bilden sich ein Urteil und handeln bei positiver Aussicht entschlossen und konsequent optimistisch.

Die Erfolgsstrategie der Deutschen: Der Sekundäre Optimismus

Die Deutschen leben einen Optimismus ganz eigener Prägung, der auch als Grundlage ihres globalen Erfolges verstanden werden kann. Er basiert paradoxer Weise zunächst auf einem grundsätzlichen Argwohn gegenüber allen Übergängen, allem Neuen. Aber die viel zitierte ‚german angst‘ ist nicht, wie der Name vermuten lässt, Furcht. Sie führt nicht zur Erstarrung, sondern ist eine besondere Form des prüfenden Zweck-Pessimismus, der dem Optimismus vorgeschaltet wird. In den psychologischen Befragungen zeigte sich, dass die Teilnehmer die krisenhafte Zuspitzung einer Situation im Berufs- und Gesellschaftsleben brauchten, um entschiedene Handlungen vorzunehmen.

Unsere Antriebsfeder ist der Zweifel

Zu unserem Nationalcharakter gehört es Gefahren zu analysieren, die Folgen abzuwägen um so in einen Zustand des produktiven Zweifelns zu kommen. Antriebsfeder ist das Zweifeln. Die Welt soll durch neue Problemlösungen oder Detailverbesserungen noch sicherer und besser gemacht werde.

Der daraus entstehende „Sekundäre Optimismus“ der Deutschen ist einerseits ihr Vertrauen darin, dass aus der kritischen Prüfung oder in der größten Not die eigene Flexibilität und Stärke erwacht. Andererseits ist er eine von außen vermittelte Stärke: Denn stolz und zuversichtlich sind die Deutschen erst, nachdem ihre erbrachte Leistung von anderen wertgeschätzt wird.

Ein Gegensatz ist der „Primäre Optimismus“ der Amerikaner. Er drückt sich aus in dem Glauben, dass es stets wieder aufwärts geht – vorausgesetzt man ist bereit, seine Chancen zu nutzen. Dieser tief in der nationalen Identität verwurzelte Zweck-Optimismus führt dazu, dass die Amerikaner, im Gegensatz zu den Deutschen, eine spontan anpackende Haltung an den Tag legen.

Mit gebremsten Schaum

Doch wir Deutschen pflegen den gebremsten, nicht so überschwänglichen Optimismus. Gefragt nach dem eigenen Optimismus, gibt fast jeder Bundesbürger vor, ein ausgesprochener Optimist zu sein. Auf einer Skala von 1 (nicht optimistisch) bis 10 (sehr optimistisch) verorten sich die Deutschen im Durchschnitt zwischen 8 und 9.

Auffällig ist die demonstrative Abgrenzung zu den Anderen: der Optimismus der Deutschen wird auf der Skala lediglich zwischen 5 und 6 verortet. Dieser, der Umwelt attestierte, gebremste Optimismus dient den Deutschen als Sicherheitsanker und Selbstschutz. Zu viel Optimismus bei anderen wird von den Befragten als bedrohlich erlebt und macht ihnen unterschwellig Angst.

Die psychologische Analyse zeigt, dass Optimismus entgegen der allgemeinen Vorstellung keine feste Charaktereigenschaft ist, sondern eine situationsabhängige Haltung, die sich im Laufe des Lebens beständig wandelt. Der Ausgangspunkt für eine optimistische Haltung ist stets eine krisenhafte Übergangssituation, die einen ungewissen Ausgang bedeutet. Betroffene wägen sorgfältig Chancen und Gefahren ab, um anschließend zu entscheiden, mit welcher Strategie und welchem Einsatz die Situation angegangen wird. Optimisten agieren also nicht blindwütig positiv, sondern entwickeln ihre Haltung durch einen sorgfältigen Realitäts-Check, der Zeit in Anspruch nimmt. Optimismus ist folglich vor allem das Vertrauen in die eigene Wandlungsfähigkeit und nicht darin, dass „schon alles gut werden wird.“

Von ganz-hamburg.de an diesem Samstagvormittag gesehen: Albert Darboven (J.J. Darboven), Michelle Euzet (Marketingleitung Jungheinrich), Kurt Jox (Porta Möbel), Hannelore Lay (Stiftung Kinderjahre), Dr. Verna Lemcke/Maria von Stein (Zahnärztekammer HH), Burkhard Müller-Sönksen (FDP), Dr. Ekkehard W. Nümann (Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung), Prof. Frank Sommer (UKE), Kristina Tröger (Club europ. Unternehmerinnen), Gunnar Uldall (Senator a.D.), Thorsten Voß (Landesamt für Verfassungsschutz) Patrik G. Weber (CEO arko), Prof. Jens Weidner (HAW).

Hier geht es zum Club der Optimisten.

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