Noch immer dicke Luft in Hamburg?

ElbphilharmonieDie Hamburger Elbphilharmonie im Nebel Foto: ganz-hamburg.de

Das eine Millionenstadt wie Hamburg kein Luftkurort sein kann ist nachvollziehbar. Doch die Luftqualität kann nachhaltig verbessert werden

Es ist noch gar nicht so lange her, da sorgte ein unscheinbarer Bericht aus dem Umweltbundesamt landesweit für ein Aufhorchen. Es ging um die Belastung der Luft in deutschen Großstädten mit dem gefährlichen Stickstoffdioxid. Auch Hamburg war betroffen. Befeuert durch diese Messungen und weitere Erhebungen versucht die Politik nun, gegenzusteuern. Wo steht Hamburg heute, ein Jahr nach dem Bericht?

Großstadtluft ist nicht die Beste

Nach wie vor ist die Hamburger Luft nicht die beste. Die Hansestadt reiht sich damit in eine lange Liste an Ballungsgebieten ein. Auf den ersten Blick erscheint dies zwangsläufig. Wenn mehr als eine Million Menschen auf relativ engem Raum zusammenleben, nebst Autos, Kraftwerken und Industrien, dann leidet die Luftqualität zwangsläufig darunter.

Wem es zu sehr stinkt, der holt sich eben ein Raumdeo bei raumduftshop.de und fertig. Doch ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. Die Belastung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und Kohlenstoffdioxid ist eine Gefahr für die Gesundheit (und Schönheit!) der Bürger, aber auch für die Oberflächen der Denkmäler und historischen Bauten, auf die Hamburg zu Recht so stolz ist. Selbst die steife Brise  kann die Stadt nicht ohne weiteres davon befreien. Da müssen die Menschen schon selbst mit anpacken, allen voran die Politik.

Der große Aufschrei von 2017 – und jetzt?

Dass man eine derart große Stadt in einem demokratischen Rechtsstaat nicht von heute auf morgen sauber bekommt, ist auch den enthusiastischsten Aktivisten klar. Immerhin scheint der politische aber da zu sein. Dieser kommt jedoch nicht aus der Bürgerschaft oder vom Bund, sondern eher aus der Europäischen Union. Diese verabschiedete schon 2013 ein Maßnahmenpaket, dessen Umsetzung aber in den Händen der jeweiligen Nationen liegt.

Landstromanlage Cruise Center Altona

Die Landstromanlage am Cruise Center Altona im Hamburger Hafen besteht den Praxistest Foto: mediaserver.hamburg.de – Jörg Modrow

In Deutschland ging es in den vergangenen Monaten vor allem um Dieselautos, die unbestreitbar eine der Hauptquellen für Stickstoffdioxid sind. In Hamburg übertrifft der Schiffsverkehr im Hafen die Schadstoffbelastung des Verkehrs. Aus diesem Grund investiert der Hamburger Hafen in sogenannte Landstromanlagen. Dann können die Schiffsmaschinen im Hafen abgeschaltet werden.

Ausgelöst durch den Dieselskandal sollten Dieselautos mittelfristig abgeschafft und saubere Modelle kurzfristig durch die sogenannte Blaue Plakette gekennzeichnet werden. Dank der CSU wurde daraus vorerst nichts. Und auch die EU-Kommission ließ von ihrem Verfahren ab, das sie Deutschland angedroht hatte, sollte weiter so wenig passieren in Sachen Luftverschmutzung. Im Großen und Ganzen steht Hamburg – und mit ihr alle anderen deutschen Großstädte – heute kaum besser da als vor einem guten Jahr. Immerhin setzte sich der Senat das Ziel, bis 2020 die Grenzwerte einzuhalten, doch der Wert politischer Willensbekundungen ist ja leider oft überschaubar.

Aktuelle Zahlen online abrufbar

Immerhin hat sich der Informationsfluss ein wenig verbessert. Bestärkt vom öffentlichen Interesse und der Sensibilisierung der Bürger gegenüber der Thematik, ist die Luftqualität nun öfter Thema im regionalen Diskurs und bleibt im Fokus der Öffentlichkeit. Zudem stellt die Stadt Hamburg allen Bürgern ein etwas unübersichtliches, dafür sehr detailliertes Online-Werkzeug zur Verfügung, um die Entwicklung der Luftqualität in der Stadt nachzuverfolgen.

Unter luft.hamburg.de finden Sie zudem einen stundenaktuellen Luftqualitätsindex, der Ihnen mit einem Klick zeigt, wie es derzeit an den ausgewiesenen Messpunkten um die Qualität der Hamburger Luft bestellt ist. Leider kommt die Anzeige jedoch in den meisten Fällen noch immer nicht über ein „befriedigend“ hinaus. Gute oder gar sehr gute Luftnoten sucht man im vergangenen Jahr vergeblich.

Wo die Luft in Hamburg am besten ist

Es ist für den gemeinen Hamburger natürlich sehr schwierig, der dicken Luft effektiv aus dem Weg zu gehen. Man kann ja schlecht den Arbeitsweg meiden, nur weil dort ein wenig zu viel Stickstoffdioxid herumwabert. Doch immerhin kann man auf Grundlage des Luftqualitätsindexes herausfinden, welche Stadtteile sich zum Joggen, Spazierengehen oder für Ausflüge lufttechnisch am besten eignen. Führend sind dabei natürlich die äußeren Bezirke wie die Walddörfer oder Vier- und Marschlande. Doch tun Sie sich und Ihren Mitbürgern einen Gefallen: Fahren sich nicht unbedingt mit dem Auto dorthin. Und schon gar nicht mit einem Schummel-Diesel.

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