Die Hamburger City verändert sich, wie wird sie bald aussehen

Podiumsdiskussion: Zukunft der Stadt. Stadt der Zukunft: Prof. Henning Völpel, Alexandra Baehorn, Genrail Managerin Alsterhaus (c) Matthias Fischer

Zukunft der Stadt. Stadt der Zukunft – Eine Diskussion im neuen Café Maxim im Alsterhaus.

Städte, wenn sie keine Museen sind oder in wirtschaftlicher gesellschaftlicher Agonie erstarren, wandeln sich mit der Zeit, den Anforderungen und der verfügbaren Technologien. Insofern ist der Wandel die Konstante in einer lebendigen Stadt. Der städtische Raum und die Gebäude unterliegen Nutzungsänderungen, werden neu gebaut, umgebaut oder verändert. So wird aus einer Fabriketage ein Wohn- oder Büroloft. Eine Stadtvilla wird in mehrere Wohnungen verwandelt oder ein fortschrittliche Hochhäuser wie die 1958 fertiggestellten City Höfe, ein Ensemble aus vier dreizehngeschossigen modernen Hochhäuser nach etwas mehr als 60 Jahren Nutzungszeit abgerissen.

Insofern sind die Fragen: ‚Wie sieht die Stadt der Zukunft aus, wie die Zukunft von Städten‘, stets aktuell und ganz besonders in der heutigen Zeit, die durch eine Verkehrswende, dem Wachstum von Remote-, Home Work und Workation-Arbeitsmodellen und dem Rückgang des klassischen standortgebundenen Einzelhandels geprägt ist.

Senatrin Dr. Dorothee Stapelfeld im Hintergrund Timo Herzberg Signa
Senatrin Dr. Dorothee Stapelfeld im Hintergrund Timo Herzberg Signa CEO (c) Matthias Fischer

Anfang September wurden diese Fragen bei einer Podiumsdiskussion im neuen Café ‚Maxim‘ im Alsterhaus, das sich in den letzten Jahren auch neu erfunden hat, diskutiert. Die Hamburger Unternehmensberatung Get Ahead Executive Search hatte gemeinsam mit Strasburger Kreise und dem Alsterhaus zu einer Podiumsdiskussion mit rund 100 Gästen eingeladen.

Das Podium war mit Dr. Dorothee Stapelfeldt (SPD, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen) Alexandra Bagehorn (Alsterhaus – The KaDeWe Group General Managerin), Timo Herzberg (Signa Reals Estate CEO) und Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor Centrum für Europäische Politik und Vorstand der Stiftung Ordnungspolitik) hochkarätig besetzt. Die Moderation lag in den Händen von Dr. Bernd-Georg Spies, Spies PPP.

New Retail, New Work, New City in Hamburg

Wie eine Schlagzeile fassen diese drei Buzz Words knackig den Veränderungsprozess der Hamburger City samt HafenCity zusammen. Nicht nur das der Trend zur Urbanisierung ungebrochen ist. Die Stadt selbst wird gerade neu gedacht und verändert. Sei durch das große Wohnungsbauprogramm des Senats, das im Gegensatz zu den 1960er- 1980er Jahren auf Nachverdichtung um Umwidmung statt auf Trabantenstädten a la Osdorfer Born, Mümmelmannsberg oder Kirchdorf Süd gesetzt hat.

Umnutzung bestehender Gebäude, auch im Sinn der Nachhaltigkeit, wird zukünftig immer mehr die Stadtentwicklung bestimmen. So wird die Nachhaltigkeit über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes definiert. Das ist als mehr als der aktuelle Energieverbrauch. Es geht um die graue Energie, also dem was in den Baustoffen steckt. Aus diesem Grund werden heute neue Gebäude schon sehr oft so geplant, dass sie künftig flexibel genutzt und umgewidmet werden können. Denn, wer kann schon ernsthaft wissen, wie die Nachfrage und Nutzung in 30, 40 oder 60 Jahren aussieht?

Um es deutlich zu machen, vor 60 Jahren zwei Hamburger Hotel ein Postscheckamt und das andere ein Behördengebäude der Finanzverwaltung. Wo heute die City Nord ist, gab es nur Kleingärten und in der Speicherstadt wurden wirklich noch Waren gelagert und umgeschlagen.

Alexandra Bagehorn sieht als Retail-Profi auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung weiterhin den Trend zu Genuss und Erlebnis. In ihrem Fall wenig überraschend auch, dass Luxus weiterhin bedeutend ist. Was nicht allgemein bekannt ist, die klassischen Warenhäuser sind haben gehobene und Luxussegmente angesprochen. Der Trend zum Massenkonsum kam später. Für Frau Bagehorn gibt es den Gegensatz zwischen stationären und digitalen Handel nicht mehr. Die KadeWe Group behandelt das als Einheit, in der sich zwei Vertriebswege ergänzen.

Für nicht wenige Gäste überraschend, Timo Herzberg wünschte sich klare Regulierungen und Rahmensetzungen seitens der Politiker als Orientierung. Wobei er nicht kleinkarierte Auflagen, sondern klare Entwicklungslinien, meinte. Wichtig war ihm auch die Gebäude mit neuen Nutzungskonzepten, z.B. weniger Retailflächen dafür mehr kleinteilige Gastronomie, Manufakturproduktion oder Wohnen. Insgesamt geht es darum mit Resilienz Investitionen sicher zu machen.

Das Fazit

Der Trend zur Urbanisierung ist ungebrochen. Weltweit und natürlich auch in Deutschland. Hamburg als starke Metropole wird sich davon nicht abkoppeln.Dies sei weltweit so, in vielen Städten Deutschlands und in natürlich auch in Hamburg. Die Städte stünden unter einem starken Druck, sich aufgrund von Digitalisierung, Klimaschutz und dem Wunsch nach mehr Lebensqualität wandeln zu müssen. So der übereinstimmende Tenor. Neue Konzepte, wie beispielsweise die Umnutzung von Büro- in Wohngebäude, um die Innenstadt zu beleben, seien notwendig. Ebenso erfolgsversprechende Strategien, um die Transformation der Städte ökonomisch, ökologisch und sozial durchführen zu können.

Insgesamt werde die gesamte Handelswelt immer digitaler werden. Das Erfolgsrezept ist die geschickte Verknüpfung. Die inneren Stadtteile müssen resilienter, widerstandfähiger werden. Erfolgreiche Stadtentwicklung heißt ein Miteinander. Nur so entstehen attraktive lebenswerte Stadträume. Beim anschließenden Get Together ergab sich auch als Meinungsbild, dass wir in vielem zu zaghaft sind, es fehlt die Lust an der Veränderung und mutige Schritte in die Zukunft. Man versucht in Perfektionismus, setzt auf Gremienentscheidungen, dort wo mutige Einzelentscheidungen gefragt sind. Stadtentwicklung ist dynamisch.

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