Hamburger Spitzen debattierte über die künftige Größe Hamburgs

Gäste bei den Hamburger SpitzenPhilipp Westermeyer, Patrik Schwarz, Prof. Dr. Gesa Ziemer, Frank Horch, Lars Meyer (vl )Foto: ganz-hamburg.de

„Zukunft an der Elbe: Wie groß darf Hamburg denken?“ das war das Thema der Hamburger Spitzen im Sofitel

 

Die Steilvorlage hatte der Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne/GAL), der aus Bergedorf stammt, gegeben. Er sprach sich kürzlich dafür aus, dass Hamburg genau genommen ein besseres Posemuckel werden soll. Kein Wunder, dass viele Hamburger seine Meinung nicht teilen. Bei der „Sauberkeitsoffensive“ musste der Senator bereits bei der geplanten Gebührenerhöhung einknicken.

Hamburg muss groß und digital denken

Die Teilnehmer der einleitenden Talkrunde von Hamburgs Spitzen waren sich gestern Abend einig: Hamburg darf nicht nur, die Stadt muss sogar groß denken – da waren sich die Teilnehmer der einleitenden Talkrunde von „Hamburgs Spitzen“ gestern Abend einig. Bei der zwölften Ausgabe der branchenübergreifenden Netzwerkveranstaltung im Hotel Sofitel Hamburg Alter Wall wurde zum Thema „Zukunft an der Elbe: Wie groß darf Hamburg denken?“ diskutiert.

Lars Meier (Organisator Hamburgs Spitzen) hatte eine interessante Talkrunde zusammengestellt. Moderiert von Patrik Schwarz (Geschäftsführender Redakteur ZEIT:HAMBURG) tauschten sich Senator Frank Horch (Behörde für Wirtschaft, Verkehr, Innovation), Prof. Dr. Gesa Ziemer (HafenCity Universität Hamburg) und Philipp Westermeyer (Gründer Online Marketing Rockstars) über ihre Visionen für Hamburgs Zukunft aus. Gerade die Digitalisierung Hamburgs ist ein entscheidender Zukunftsfaktor für die Stadt. 

Frank Horch

Als verantwortlicher Politiker hatte Senator Frank Horch nicht unbedingt den leichtesten Stand in der Runde. Für ihn vollzieht sich der digitale Wandel aktuell in vielen Bereichen in Hamburg. Er sieht darin Herausforderungen, aber auch große Chancen. „Wir sind eine Stadt, die Talente anzieht“, sagte Horch auch im Hinblick auf die digitale Branche.

Hamburg tue aber auch einiges dafür, wie etwa inspirierende Gründerreisen in innovative Städte. Sowohl national als auch international sieht er die Stadt gut aufgestellt: „Wir müssen nicht die Nummer eins sein, aber wir sind mit Berlin und München ganz vorne an.“ In Hamburg gebe es unterstützende Rahmenbedingungen, etwa Institutionen wie die Investitions- und Förderbank. Horch fasste zusammen: „Hamburg ist geschäftstüchtig“.

Philipp Westermeyer 

Mit seiner Online-Marketing-Plattform OMR die Philipp Westermeyer in Hamburg gegründet hat, hat er letztes Jahr mit seinem jährlichen Festival 40.000 Gäste in die Messehallen gelockt. Er hält Hamburg für eine gute Stadt für Gründer. Hamburg habe die Infrastruktur. Aber oft komme bei der Standortentscheidung für Startup-Gründer auch die Frage auf “Wer hilft am besten?“, und es gebe einen regelrechten Wettbewerb europäischer Städte um Großveranstaltungen mit Bezug zur Digitalisierung.

Zum Teil flösse viel Geld, um eine Stadt im Digital Space zu positionieren. “Lissabon zahlt erhebliche Summen (…), Hamburg ist da zu Recht vorsichtig“. Viel entscheidender als Zahlungen an Digital-Unternehmen sei ein positives Makro-Umfeld, etwa durch die Förderung von Digitalhochschulen für Entwickler und die damit verbundene Verfügbarkeit von hochqualifiziertem Personal. Die von Senator Horch angesprochenen Reisen, bei denen Vertreter der Stadt Hamburger Startups zur Inspiration in  Städte wie Austin in Texas oder Montreal einluden, seien ein nettes „Gimmick“, mehr aber auch nicht. Letztendlich müssten sich die Unternehmen auch ohne staatliche Hilfe am Markt behaupten.

Prof. Dr. Gesa Ziemer

In punkto Digitalisierung ist Tallinn durchaus ein großes Vorbild: Es gebe dort nicht nur eine digitale Gesundheitsakte, die Möglichkeit, online zu wählen, und die rein digitale Steuererklärung, sondern auch ein „e-Citizenship“. Durch dieses Verfahren könne man nach estnischem Recht Unternehmen ohne große Hürden gründen.

Auch Breslau sei sehr innovativ und führend im Hinblick auf die Digitalisierung und moderne Technologien. So würden in der „kleinen“ Stadt in Polen Nano-Satelliten gebaut. Besonders hob die Professorin hervor, dass es in Polen das Schulfach „Unternehmertum“ gibt. „Das ist in Hamburg etwas, wo noch Luft nach oben ist“, resümierte Ziemer. Es sei auch nicht nachvollziehbar, dass ihre Kinder an Hamburger Schulen nach wie vor nicht programmieren lernten. 

Frau Prof. Ziemer fordert eine viel stärkere Verknüpfung von Hochschulen und Wirtschaft, um Erkenntnisse aus der Forschung auf die Wirtschaft zu übertragen. Ein weiterer Aspekt stieß auf gemischte Reaktionen im Publikum: Als ein Großprojekt von immenser Wichtigkeit für die schnell wachsende Stadt nannte die Expertin für Städtebau die Verdichtung Hamburgs, und zwar auch durch den Bau von Hochhäusern.   

Singapur habe beispielsweise fast drei Mal so viele Einwohner wie Hamburg und sei trotz der dichten Bebauung eine sehr lebenswerte Stadt. Vertikales Bauen und Verdichtung seien die einzigen Zukunftsoptionen für günstiges Wohnen in der Hansestadt: „Wenn wir keine Wohnungen bauen, wohnen nur noch Leute in der Stadt, die ganz viel Geld haben – das gibt keine gute gesellschaftliche Durchmischung“.

Das Resümee

In den direkten Gesprächen nach dem Talk unter den Gästen wurde deutlich, eine Metropole wie Hamburg ist immer im Wandel und muss sich beständig neuen Herausforderungen stellen. Aufgabe der Politik ist es, folgerichtig zu denken und konkret zu handeln. So kann man zwar fordern, dass mehr Menschen den Nahverkehr nutzen. Dann muss die Politik aber auch bereit sein das Niveau von Sicherheit und Sauberkeit nachhaltig zu verbessern. Ganz davon abgesehen, dass auch wesentlich mehr Geld investiert werden muss. 

Entscheidend ist auch das Tempo wie Veränderungen angegangen werden. Bürger müssen beteiligt werden, aber oftmals ist Politik und Verwaltung viel zu behäbig und verfolgt Eigeninteressen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Auch Start ups müssen im normalen Geschäftsbetrieb wirtschaftlich arbeiten und letztendlich Gewinne erwirtschaften. Eine Goldgräber-Mentalität gerade wie in Berlin ist nicht wirklich nachhaltig.

Der „Spitzentalk“ bot Gästen als auch Gastgebern – Dr. Thomas Brakensiek (Vorstandsmitglied Hamburger Volksbank), Claus Brandt (Niederlassungsleiter PricewaterhouseCoopers Hamburg), Ralf Martin Meyer (Polizeipräsident), Benjamin Sonne (Geschäftsführer Handel Carlsberg Deutschland),  Bart Westerhout (General Manager Sofitel Hotel) und Lars Meier (Geschäftsführer Gute Leude Fabrik) – kontroversen Gesprächsstoff, während sie den Abend bei Köstlichkeiten aus der Sofitel-Küche und anregenden Gesprächen ausklingen ließen.

Den Netzwerkpreis, ein Kochabend für zehn Personen im SMEG Küchenstudio Hamburg, gewann u.a. Maren Henke (Anzeigenleitung Zeit Magazine):

 

Bei den Hamburger Spitzen gesehen

Von ganz-hamburg.de unter den 160 Gästen – Entscheider und Machern aus Wirtschaft, Medien, Politik, Gesellschaft – u.a. gesehen: Michael Fritz (General Manager Steigenberger Hotel Hamburg Treudelberg), Oke Göttlich (Präsident FC St. Pauli), Rosita und Carl Claus Hagenbeck (Geschäftsführer Tierpark Hagenbeck gemeinnützige Gesellschaft), Christian Harringa (Administrativer Direktor Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY), Johannes Hauke (Mindspace), Andrea Jacob (Institutsleitung Goethe-Institut), Christian Kipper (Geschäftsführer Deutsche Fernsehlotterie), Benedikt Landgrebe (Geschäftsführer Bucerius Law School), Alexander Laukenmann (Geschäftsführer Flughafen Hamburg), Christin Lüdemann (Geschäftsführerin Meridian Spa&Fitness), Stefano Melucci (Storeleiter SMEG Küchenstudio Hamburg), Ina Menzer (ehemalige Profi-Boxerin), Michael Otremba (Geschäftsführer Hamburg Tourismus), Tom Till (Geschäftsführer Thalia Theater), Winfried Rostock (Geschäftsführung Peter Kölln), Prof. Norbert Aust (Tourismusverband Hamburg), Matthias Pfalz (BMW Niederlassung Hamburg).

 

 

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