Das Münzviertel – die Großstadtinsel im Verkehrsmeer von Hamburg

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim HauptbahnhofMünzviertel - Blick von der Münzstraße zum Münzplatz © ganz-hamburg.de

Das Hamburger Münzviertel erwacht aus seinem Dornröschen-Schlaf und wird attraktiv

Das Münzviertel war jahrzehntelang eher ein No Go Wohnquartier. Zum Glück hat es größtenteils hat es die die anglo-amerikanischen Bombennächte, obwohl direkt am Hauptbahnhof gelegen, überstanden. In der Nachkriegszeit, besonders noch in der Zeit der Dampfloks, war es als Wohnquartier wenig begehrt, denn die Rußbelastung durch den Bahnverkehr war damals enorm.

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

Münzviertel Hamburg – Repsoldstraße © ganz-hamburg.de

Das Münzviertel liegt das eingezwängt zwischen den Gleisanlagen und Viadukten, die nach Süden und Osten führen, des Hamburger Hauptbahnhofs. Die dreispurige sehr frequentierte Spaldingstraße (Einbahnstraße Richtung Innenstadt) sperrt das Viertel gegenüber der City Süd und Hammerbrook. Verstärkt wird diese Sperre noch durch die parallel südlich verlaufende Nordkanalstraße, die ebenfalls dreispurig den Verkehr stadtauswärts führt. Zum Hauptbahnhof sind es nur wenige hundert Meter Entfernung.

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

DAs Afrikanische Bistro –
Original afrikanische (Ghana) Küche aus im Hamburger Münzviertel © ganz-hamburg.de

Essen & Trinken

Kulinarisch gleicht das Münzviertel eine eher karge Steppe. Wer einmal afrikanische Küche aus Ghana probieren möchte, dem sei das Afrikanische Bistro (Ecke Spaldingstraße/Repsoldstraße) empfohlen. Hier geht es rustikal und preiswert zu. Iloh die Bar am Ende der Welt ist der Treff im Quartier. Lässige Atmosphäre, gute Shoots, Kickertische und faire Preise. Ja, sowas gibt es noch in Hamburg.

Die Herkunft des Namens

Namensgeber für das Quartier war die Hamburgische Münzprägeanstalt, die bis 1982 am Münzplatz beheimatet war. Heute prägt sie am Standort in Hamburg Meiendorf Münzen. Damit ist sie die älteste Münzprägeanstalt Deutschlands und untersteht als Landesbetrieb der Hamburger Finanzbehörde.

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

Der Münzplatz © ganz-hamburg.de

Als vergessenes Stadtquartier hat sich hier über die Jahre, bedingt durch relativ geringe Mieten, ein urbanes Konglomerat aus Studenten, Lebenskünstlern, Einwandern und der Kreativszene gebildet. In den alten Läden mit schönen Pfeilern aus Gusseisen haben sich Architekturbüros und Filmproduktionen angesiedelt.

Im Quartier wohnen mit steigenden Tendenz mehr als 1.000 Menschen. Wobei, viele nur auf zeitweilig, denn in jüngster Zeit haben Investoren im Münzviertel Mikro-Apartmenthäuser errichtet, die häufig von Pendlern bewohnt werden. Belastet wird das Quartier nicht nur von dem brandenden Verkehr der Straßen und der Bahn. Auch Obdachlose und Drogenabhängige vom nahen Hauptbahnhof gehören zum alltäglichen Quartiersbild. Innenhöfe und Hauseingänge sind zumeist stark gesichert.

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

Das ehemalige Bahnpostamt Hühnerposten © ganz-hamburg.de

Das ehemalige Postamt Hühnerposten

Das imposante ehemalige Bahnpostamt Hühnerposten (Bj. 1902-1906 und Erweiterung in den 1920er Jahren) prägt den Eingang zum Münzviertel. Hier hat seit 2004 die Zentralbibliothek der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen ihren Sitz.

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

Hühnerposten im Münzviertel © ganz-hamburg.de

Die große Halle des ehemaligen Postgebäudes ist heute eine angesagte Eventlocation. Das Name des Postamtes leitet sich von dem alten Straßennamen ‚Bei dem Hühnerposten – heute Hühnerposten‘ ab.

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

Münzviertel – Hühnerposten – links das ehemalige Bahnpostamt rechts die Verwaltung der Mobil BKK © ganz-hamburg.de

Ausgeführt ist das Gebäude in der Betonskelettbauweise mit einer Klinkerfassade, die mit gotisierend expressionistischen Formen geschmückt ist. Auf den südlich gelegenen ehemaligen Trümmergrundstücken sind seit etwa 2006 Hotel-und Bürobauten, unter anderem auch das Verwaltungsgebäude der Betriebskrankenkasse Mobil Oil, entstanden. 

Impressionen aus dem Hamburger Münzviertel beim Hauptbahnhof

Münzviertel – Blick von der Repsoldstraße in die Rosenallee Münzplatz © ganz-hamburg.de

Kollektives Zentrum (KoZe) im Münzviertel

Eine Zeit lang so es so aus, als ob sich im Münzviertel eine zweite Rote Flora entwickelt. Nach und nach besetzten ab 2014 links-autonome Aktivisten die ehemalige Gehörlosenschule an der Norderstraße. Aber, die Besetzer verloren schnell Rückhalt in der Szene und die Zahl der Unterstützer ging zurück. Insider berichten von quälend langen internen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Das Gebäude vermüllte immer mehr.

Die Behörden hatten von der Hafenstraße und Rote Flora gelernt und fuhren von Anfang an einen harten und konsequenten Kurs. Im Jahr 2016 haben die letzten Besetzer, auch Grund von Gerichtsurteilen, die Gebäude, verlassen. Mittlerweile wurde die Schule abgerissen. Auf dem 8.500 qm großen Grundstück werden vom Hamburger  Bauträger HBK 250 Mietwohnungen und 150 Studenten-Apartments, die teilweise öffentlich gefördert sind, errichtet.