Nachhaltigkeit und Foodtrends große Themen auf der INTERNORGA 2019

von Leef auf der Internorga in HamburgClaudio Vietta+Ronja Heinemann+Sebastian Mann von Leef v.l. © Susanne Plaß

Unsere Autorin Susanne Plaß hat sich auf der Fachmesse INTERNORGA in den Hamburger Messehallen umgesehen und die neuesten Trends aufgespürt.

Vom 15. bis 19. März 2019 ist Hamburg nicht nur das Tor zur Welt, sondern auch das Tor zur Kulinarik und allem, was damit zu tun hat.

„Als Katalysator für weltweite Trends und kreative Produktinnovationen ist die INTERNORGA über neun Jahrzehnte der einzigartige Dreh- und Angelpunkt für Entscheider, Newcomer und Profis aus der Gastronomie, Hotellerie, den Bäckereien und Konditoreien.“,

Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Messe und Congress GmbH

Neues und zeitgemäß Altbewährtes werden von über 1.300 Ausstellern aus 25 Ländern präsentiert. Besonders spannend ist die Newcomers Area in Halle B4 OG, ein speziell konzipierter Bereich für Unternehmen, die mit innovativen Lösungen und Produkten den Außer-Haus-Markt neu für sich erschließen wollen und erstmals auf der Messe in Hamburg ausstellen.

Hungry for Change mit Leef

Den Kampf gegen überflüssige Plastikmüllberge hat die Firma Leef Blattwerk GmbH aufgenommen. Billiges Einwegplastikgeschirr war gestern, heute werden die Speisen im Catering auf formschönen, robusten und biologisch abbaubaren Geschirr aus getrockneten Palmenblättern serviert. Sie sind zudem bruchsicherer, hitze- bzw. kälteresistenter und insgesamt qualitativ besser als Kunststoffgeschirr.

Das 2013 durch ein Crowdfunding finanzierte Berliner Startup hat sich durch Palmenblätterprodukte einen großen Markt eröffnet, den es jetzt zu bespielen gilt. Da hilft der Auftritt auf der Hamburger Kontaktmesse.

„Auf meiner Reise durch Indien habe ich gesehen, wie Palmenblätter zu Schalen geformt und nach dem Gebrauch wieder der Natur als Kompost zurückgegeben wurden. Das wollte ich auch in Deutschland einführen. Wir können nicht die Gesellschaft ändern, aber die Produkte, die sie nutzt“,

Claudio Vietta, Mitgründer Leef Blattwerk

Claudio Vietta hat zusammen mit Ronja Heinemann und Sebastian Mann das Unternehmen gründete. Die Blätter der Palmen sind Abfallprodukte, die ohne Beigabe von Zusatzstoffen zu Tellern und Schalen umgeformt werden.

„Anstatt energie- & ressourcenintensiv kompostierbare Materialien zu kreieren, die nur schwer wieder reintegrierbar sind, ‘leihen‘ wir ein Blatt, nutzen es und geben es danach wieder in den Naturkreislauf zurück. Dabei orientieren wir uns am ‚cradle to cradle‘ Prinzip und achten darauf, dass wir ein Produkt anbieten, das auf jeden Beteiligten im Lieferkreislauf einen positiven Effekt hat.“

Claudio Vietta

Zu den ersten Kunden zählt das Schloss Bellevue in Berlin. Ziel des Trios ist es, das B2B Geschäft, Catering, Gastronomen und den Einzelhandel von den nachhaltigen Palmenprodukten zu überzeugen. Damit nicht genug, haben die drei das non-profit Projekt „Leef Unlimited“ ins Leben gerufen. Dabei wir für jeden auf einer Veranstaltung benutzten Blattteller von Leef ein Quadratmeter Regenwald in Brasilien/Argentinien aufgekauft und geschützt. Das heißt, dass ein Quadratmeter Regenwald ganze 4 Cent kostet. Inzwischen hat die Leef Blattwerk GmbH das Portfolio um Schuhe und Verpackungen erweitert. Sie stammen aus hochwertigen natürlichen Neben- oder Abfallprodukten, die so sinnvoll weiterverarbeitet werden. Zuckerrohrfasern sind ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung und Palmblätter stammen von der Betelnuss-Palme, die ihre Blätter zwei- bis dreimal jährlich verliert.

Honigwaben
Alexander von Ingelheim präsentiert BEEsharing © Susanne Plaß

Insektenschutz harmoniert mit Landwirtschaft

Die BEEsharing P.A.L.S. GmbH ist ein Netzwerk für Imker, Landwirte, Händler und Bienenfreunde! Der 2015 von 15 Enthusiasten gegründete gemeinnützige Verein, wurde 2017 in eine GmbH überführt mit Sitz in Hamburg.

Die Bestäubungsimker von BEEsharing haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem Insektensterben entgegen zu wirken und Deutschland wieder aufblühen zu lassen.

„Wir vermitteln Bestäubungsangebote zwischen Imkern und Landwirten. Durch die Intensivierung von Bienen in den gewünschten Gebieten erreichen die Bauern bessere Erträge und die Bienenwirtschaft arbeitet kostenoptimiert. Damit kann auf Gifteinsatz verzichtet werden. Uns steht ein Netzwerk von über 500 Imkern in Deutschland zur Verfügung.“

Mitinitiator Alexander von Ingelheim

Der Insektenschutz von Honigbienen, Wildbestäubern und ihrem Lebensraum stehen dabei im Fokus. BEEsharing bietet außerdem Transportservices für Imker sowie Honig- und Bienenprodukte in hochwertiger, kontrollierter Qualität. Interessant für Hoteliers ist das neue Angebot an ganzen Honigwaben, die auf dem Frühstücksbüffet nicht nur gut aussehen, sondern deren Honig von fleißigen Bienen aus dem Umland stammen. Das neue ARBOREA Hotel in Neustadt arbeitet z. B. mit so einem Erlebnis – Honigwabe auf dem Büffet.

Spice Nerds Warenaufsteller
Spice Nerds Dressings © Susanne Plaß

Bio Dressing für Gemüse und Salat von SpiceNerds

Sechs Seiteneinsteiger haben sich in Berlin aufgemacht, mit neuen Dressing-Kompositionen in das Lebensmittel-Business einzusteigen. Jurist und Unternehmensberater Thomas Kuhmann, Robert-Christian Gierth, Entrepreneur von Immobilien bis Food, der kulinarische Kopf Carsten Otte (Koch u.a. im Bamberger Reiter und Interconti Berlin), Dr. Daniel Kähler, Marketing- und Retail-Experte mit Erfahrung von McDonald‘s bis Kochhaus, sowie die Produktmanagerin und Initiatorin eines Food Tanks, Inga Bruns.

Sie gründeten 2018 die SpiceNerds GmbH und präsentieren ihr Portfolio aus sechs Dressing jetzt erstmals auf der INTERNORGA. Yellow Mellow ist mit seiner orientalischen Note der Kick für Gemüse, Radical Radish, eine Komposition aus Rote-Bete-Sauerkirsch und Meerrettich, bringt mediterranen Geschmack auf Grillgut und Gemüse. Mit süßlich-holzigen Note kommt der Nippon Express mit Sellerie und Wasabi daher, Fruchtiges für Salate ist im Glas von Juicy Lucy und das scharfe Vulcano Dressing macht Rucola, Chicorée oder Radicchio an. Sommerfeeling bringt Green Madness mit einer Kombi aus Ingwer-Kräutern-Limetten auf Salate und Fisch. Vor der Bio-Produkteinführung stand die Marktforschung mit 300 Probanden. Das Ergebnis: „Hohe Wiederkaufsrate trotz höherem Preis, verspricht enormes Absatzpotential“. Die SpiceNerds verwenden gute Bio-Zutaten ohne Zuckerzusatz, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker.

Rührei mit einer Maschine zubereiten
Scraegg – Rührei auf Knopfdruck © Susanne Pla

Perfektes Rührei mit Wasserdampf in 15 Sekunden

Neue Wege beschreiten Andreas Leonhard und Florian Hofbauer mit ihrer Firma Scraegg GmbH aus Wiesloch. Sie sind Gewinner des Förderpreises der Gastro Vison 2018, die in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum im Hamburger Hotel Empire Riverside feiert.

Die beiden Gründer stellen auf der INTERNORGA ihr selbst entwickeltes Gerät vor, das wie eine Kaffeemaschine funktioniert, jedoch Rührei und Porridge in immer gleichbleibender Qualität innerhalb von Sekunden produziert. Durch das Rühren mit anschließender Dampfzufuhr wird das Rührei besonders schonend und ohne Fette zubereitet. Neuerdings steht das Scraegg Gerät am Frankfurter Hauptbahnhof und bietet perfektes Rührei im nachhaltigen To-Go-Becher für die Reisenden.

Insektenburger
Baris Özel mit lecker Insektenburger © Susanne Plaß

Buffalowürmer als leckerer Protein-Snack

Baris Özel und Max Krämer unternahmen 2010 eine Weltreise und testen in den Straßen von Bangkok erstmals Insekten. Der Geschmack und der Geruch hatte sie überzeugt. Um ihre Idee eines Insektenburgers in Europa in die Tat umzusetzen, benötigten sie professionelle Hilfe. Der DIL e.V. stand ihnen zur Seite und finanzielle Unterstützung kam vom INTERREG V/Food Future Programm.

Sie gründeten die Bugfoundation GmbH in Osnabrück. 2015 gingen die ersten Insektenburger an zwei Restaurants in Brüssel. 2016 wurden sie für ihre Innovation mehrfach prämiert. 2018 stießen zwei Investoren dazu und der Insektenburger durfte erstmals auch in Deutschland auf der Grünen Woche in Berlin präsentiert werden. Das war der Durchbruch, denn viele Rewe Märkte orderten die tiefgekühlten Burger sowie die Restaurantkette Hans im Glück. Die Buffalowürmer werden in den Niederlanden artgerecht gezüchtet ohne Einsatz von Antibiotika. Aus ihnen wird Mehl gemacht, das reich an Proteinen, ungesättigten Fettsäuren und frei von künstlichen Zusatzstoffen ist. Die Veredelung findet dann in Deutschland statt.

Colour Food
Alexander Hoffmann von Colour Food © Susanne Plaß

Colour Food – pure Farben aus Obst und Gemüse

Alexander Hoffmann, Generalmanager von Colour Food Professional, ist Pionier färbender Lebensmittel. Alle Produkte sind komplett frei von künstlichen Farb- und Konservierungsstoffen und werden ausschließlich mittels physikalischer Verfahren und Zugabe von Wasser zu einer konzentrierten Essenz verarbeitet.

Durch die hohe Farbkonzentration lassen sich mit wenig Materialeinsatz starke natürliche Farbeffekte erzielen. 2018 gewann Colour Food den Zukunftspreis der INTERNORGA. Neben den flüssigen Produkten stellt Alexander Hoffmann in diesem Jahr erstmals auch eine Range von fünf Farben in Pulverform vor, die sich vor allem für die Anwendung fetthaltiger Produkte und Macarons eignen. www.colourfood.de

Der INTERNORGA Pink Cube

Ein Must Go auf der INTERNORGA ist der Pink Cube, wo die Trendforscherin Karin Tischer (Unternehmen food & more) zweimal pro Tag interessante Vorträge über weltweite Trends in der Gastronomie hält. Nach ihren Recherchen steht Streetfood aus Asien, Indien und Afrika hoch im Kurs. Von der Straße ins Restaurant entwickelt sich Streetfood weiter bis hin zur Sterneküche. Snacking ist ein Megatrend. In Israel entdeckte die Trendforscherin beispielsweise Lachspralinen oder Chimichurri mit vielen Kräutern dazu Fisch als Snack serviert.

Am Hauptbahnhof in Zürich sorgt ein neues Bistrokonzept für Aha-Erlebnisse. Der drehbare Store wird am Morgen als Müsli-Bar genutzt. Zur Mittagszeit dreht das Personal den Store um 180 Grad und es erscheint eine Pasta-Bar.

Angesagt ist auch die Asiatische Küche, weil sie die Menschen berührt – vor allem koreanische Gerichte. Dim Sum hat eine hohe Priorität mit spannenden Gestaltungsmöglichkeiten. In Japan werden die Teigtaschen mit Flüssigkeiten gefüllt, die mit Strohhalmen – als Fun-Charakter – ausgesaugt werden.

Neu ist, das Sandwich anstatt mit Brot mit einem Omelette zu präsentieren. Es gibt noch viele weitere interessante Geschichten, die Karin Tischer aus aller Welt auf die INTERNORGA mitgebracht hat. Ein Besuch im Pink Cube lohnt sich.

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