Neues Sammelsystem: Wie aus alten Zigarettenkippen Sammelbehälter entstehen

Weggeworfene ZigarettenkippenEine Zigarettenkippe enthält mehrere tausend Giftstoffe. Bei Regen sickern diese gefährlichen Stoffe in den Erdboden oder ins Grundwasser. Foto: Alexander Hauk

Kleine Stummel und Kippen verursachen große Umweltverschmutzung mit tödlichen Folgen.

Von Alexander Hauk
Hamburg hat ein Zigarettenkippen-Problem. Genauer gesagt mit unachtsam weggeschnippten Zigarettenstummel. Überall sind sie zu sehen, auf den Gehwegen entlang der Reeperbahn, im Stadtpark, vor Restaurants und an den Ufern der Elbe. Die gute Nachricht: Zigarettenkippen können jetzt recycelt werden.

Die Zigarettenkippen-Aktivist Mario Merella
Mario Merella hat Tobacycle gegründet. Aus den gesammelten Zigarettenkippen werden unter anderem Taschenaschenbecher. Bisher hat Merella bundesweit fünf Tonnen Zigarettenkippen gesammelt. Foto: Alexander Hauk

Mario Merella hat den Verein Tobacycle gegründet und sagt den Zigarettenstummeln den Kampf an. Mit einer Vielzahl von Helfern sammelt und recycelt er bundesweit die Raucherhinterlassenschaften.

„Dass die hässlichen Stummel hochgiftig und für die Umwelt extrem schädlicher Sondermüll sind, ist den meisten Menschen gar nicht bewusst“,

sagt der Kölner.

Eine Zigarettenkippe enthält mehrere tausend schädliche Stoffe, darunter Arsen, Schwermetalle wie Cadmium, Blei und natürlich Nikotin.

Das Problem: Bei Regen sickern diese gefährlichen Stoffe in den Erdboden oder ins Grundwasser. Schon eine einzige Zigarettenkippe kann mehrere Dutzend Liter Wasser verseuchen. Nicht nur für Menschen sind sie eine große Gefahr. Immer wieder sterben Vögel, weil sie die Giftkippen für Nahrung halten und ihrem Nachwuchs als Futter bringen.

Ein Abfalleimer aus Edelstahl
Viele Städte haben das Zigaretten-Problem erkannt und bieten für die hochgiftigen Filter eigene Einwurfmöglichkeiten an Abfallbehältern an.
Foto: Alexander Hauk

Mit dem Kippen-Problem steht Hamburg nicht allein da. Weltweit sind Zigarettenstummel der am häufigsten unachtsam weggeworfene Müll. Jedes dritte Stück Plastik in den Ozeanen ist ein Zigarettenfilter und in Städten machen Zigarettenkippen laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation 30 bis 40 Prozent des aufgesammelten Abfalls aus.

„Ich will, dass künftig keine Zigarettenkippe mehr in der Umwelt landet“,

sagt Merella.

Das gesteckte Ziel ist hoch, denn Experten gehen davon aus, dass weltweit jede Sekunde mehr als 130.000 Zigarettenkippen in der Natur landen.

Sammelsystem für Zigarettenabfälle

Für seinen Kampf gegen die giftigen Kippen baut Merella ständig sein Netzwerk aus. Inzwischen machen bundesweit mehrere hundert Unternehmen und Privatpersonen beim Sammelsystem von Tobacycle mit. Bisher hat das Tobacycle-Team rund 5 Tonnen Zigarettenkippen gesammelt.

„Alle Zigarettenstummel werden restlos verwertet, inklusive Asche und Giftstoffen. Die gesammelten Zigarettenkippen werden zu einem spritzfähigen Granulat recycelt, aus dem luftdicht verschließbare Behälter für das Tobacylce-Sammelsystem hergestellt werden“,

erklärt Merella.

Bis zur stofflichen Verwertung der Kippen sei es ein langer Weg gewesen, sagt Merella:

„Für die ersten Versuche habe ich alle möglichen Geräte verwendet, darunter Mikrowelle, Kaffeemühle und sogar ein Ultraschallbad für Brillen.“

Schnell war klar, dass es so nicht funktioniert. Aber inzwischen kann der Tüftler auf Kooperationen mit Unternehmen aus der Kunststoff- und Metallbranche bauen. Auch mit Zigarettenunternehmen ist Merella im Gespräch.

Warnschild in Basel Bussgeld für weggeworfene Kippen
Hauk Im schweizerischen Basel müssen Umweltfrevler für das achtlose Wegschnippen ihrer Zigarettenkippe 80 Franken zahlen. Foto: Alexander Hauk

Immer mehr Städte verhängen Bußgelder

Mit seinem Sammelsystem hat Merella frühzeitig einen Trend erkannt. Das Wegwerfen von Zigarettenkippen stellt, wie auch bei anderen Abfällen eine Ordnungswidrigkeit dar. Und immer mehr Städte verhängen ein Bußgeld gegen Raucher, der ihre Kippe in die Umwelt schnippen.

Das liegt in Deutschland, abhängig vom Ort, zwischen 10 Euro in Dresden und 55 Euro in Hamburg. Zum Vergleich: In der Schweiz müssen Umweltfrevler deutlich tiefer in die Tasche greife, in Basel kostet eine auf den Boden geworfene Zigarette 80 Franken.

Social-Media-Trend #fillthebottle

Unter dem Hashtag #fillthebottle haben es die Zigaretten-Reste nun sogar auch zu einer eigenen Social-Media-Challenge geschafft. Dabei sammeln Freiwillige Zigarettenkippen, füllen sie in eine leere Plastikflasche und posten ein Foto davon au Instagram.

Mit der Aktion säubern sie nicht nur die Umwelt, sondern motivieren im Idealfall auch anderen, ihnen nachzueifern. Sicher ist, dass die Arbeit den Kippensammlern so schnell nicht ausgehen wird.

Allein in Deutschland landen nach einer Berechnung der Hamburger Stadtreinigung täglich 140 Millionen Kippen auf Wegen, Plätzen und Straßen.

Die Initiative „Die Aufheber“ fordert nun sogar Pfand auf Zigaretten und hat dazu eine Petition gestartet. Vorerst werden Städte und Kommunen weiter unter der Belastung durch die hochgiftigen Kippen leiden. Weitere Informationen zu Tobacycle auf www.tobacycle.de

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