Weihnachtsgeschenke – Eine Analyse der Situation für meine zwei Kinder

Foto: Alipictures / pixelio.deFoto: Alipictures / pixelio.de

von Mark Halledt
Mein Sohn ist sechs Jahre alt. Meine Tochter ist drei Jahre alt. Die Adventszeit hat in unserem Haushalt in Form von Kränzen, Engeln und Adventskalendern Einzug gehalten, und die Verwandten fragen nach den Wünschen der Kinder. An Schenkwilligen herrscht kein Mangel. Da sich die Schenkgelüste der Schenkwilligen auf immer weniger (Kinder-) Köpfe verteilen, bleibt pro Kind mehr Schenkwille übrig.

So hatten meine Großeltern im Schnitt 4 Enkelkinder. Die Großeltern meiner Kinder haben im Durchschnitt nur noch 2,5 Enkelkinder (rd. -40%). Meine Onkel und Tanten hatten im Schnitt 1,3 eigene Kinder – die Onkel und Tanten meiner Kinder haben im Mittel nur noch 0,5 eigene Kinder (rd. -60%). Noch schlimmer sieht es bei den Taufpaten als potentiellen Gönnern aus. Hatten meine Taufpaten noch im Schnitt 1,5 eigene Kinder mit Geschenken zu beglücken, erfreuen sich die 4 Taufpaten meiner zwei Kinder im Durchschnitt nur noch an 0,25 eigenen Kindern (rd. -80%). Dieses ist (scheinbar) für Finn und Line eine erfreuliche Entwicklung.

Fazit: Die Finanzmacht von immer mehr Schenkwilligen verteilt sich auf immer weniger Kinder

Die Folgen der demographischen Entwicklung und des anwachsenden Wohlstandes, der in vielen Familien in drei Generationen ohne Krieg in beachtlicher Höhe angesammelt werden konnte, spiegelt sich in den Kinderzimmern unserer Republik wider.

Als ich meinen Sohn Finn vor einiger Zeit von einem Kindergeburtstag abholte, saß er im Kinderzimmer des Geburtstagskindes und spielte selig. Alle sechs hohen Billy-Regale in dem rd. 20 qm großen Zimmer waren vollständig mit Spielzeug gefüllt. Zudem wurde der Boden noch von einer ca. 5 cm hohen Schicht aus Playmobil, Duplo und Lego bedeckt (20qm x 0,05 m = 1 kbm). Der Vater wies darauf hin, dass er wohl demnächst noch ein weiteres Regal würde aufstellen müssen….. (wenn würde er sowieso zwei benötigen  H x B x T eines mittleren Billy-Regales = 2m x 0,8m x 0,3m = 0,48 kbm < 1 kbm).

Ich weiß nicht, ob das Regal inzwischen aufgestellt wurde, aber dies kann m.E. nicht die Lösung sein. Die Geschwindigkeit der Zunahme des Spielzeuges in deutschen Kinderzimmern entwickelt sich in etwa parallel zu den Kostenschätzungen der Elbphilharmonie in meiner Heimatstadt Hamburg.

Das Umsortieren oder Neugruppieren ist definitiv ein untauglicher Lösungsansatz des Problems. Wir hatten früher eine Wohnung mit einem Kellerraum – voll. Jetzt haben wir einen Dachboden einen Hauswirtschaftsraum und zwei Gartenhäuschen – voll. Verwandte besitzen ein Haus mit Keller, Dachboden und Doppelgarage – insgesamt mindestens 100 qm Lagerfläche – alles voll.

Lagerkapazitäten scheinen ein besonderes Gut zu sein. Egal wie viel man davon hat – es wird immer genau die Lagefläche benötigt die gerade vorhanden ist.

Das Angebot schafft sich seine eigene Nachfrage. Das ist nicht selbstverständlich. Bei anderen Gütern verhält es sich anders. Niemand würde mehr Klopapier verbrauchen, nur weil er weiß, dass noch 100 Rollen im Keller liegen.

Die Kapazitäten werden gnadenlos ausgereizt. Dies kann auch dazu führen, dass Platzmangel geleugnet wird. Bei überfüllten Spielzimmern von befreundeten Kindern wird dann häufig von den Eltern behauptet, es sei sehr wohl genügend Platz in den Regalen vorhanden. Dies wird dann dadurch „bewiesen“, dass durch ausgefeilte Stapeltechniken, die mich immer an das alte Computerspiel TETRIS erinnern, alle Spielwaren erfolgreich in den vorhanden Regalen eingelagert werden. Überflüssig zu erwähnen, dass kein Sechsjähriger ohne Logistik-Studium auch nur den Hauch einer Chance hätte, dieses bei der nächsten Aufräumaktion allein nachzuvollziehen. So macht man sich selber zum Engpass beim Aufräumen

Fazit: Umgruppierung und Umsortierung ist keine Lösung

Aber welche Lösungsansätze helfen wirklich?

Gerade vor Weihnachten ist das Aussortieren notwendig. Ich erzähle meinem Sohn immer, dass der Weihnachtsmann im Advent durch aller Kinderzimmer fliegt, um zu schauen, ob noch Platz in den Regalen ist. Wenn die Regale schon voll sind, sieht der Weihnachtsmann die Notwendigkeit weiterer Geschenke nicht. Zudem besuchen wir ab und an Flohmärkte (als Verkäufer!). Die Aussicht einen Teil der Einnahmen der aussortierten Spielzeuge vereinnahmen zu dürfen, führt ebenfalls zu ungeahnten Aussortiererfolgen. Allerdings merkte mein Sohn selbst schon, an dass es einfach zu häufig Geschenke gäbe, und zu selten Flohmärkte. Kontraproduktiv ist es auch, wenn Eltern aussortierte Spielzeuge einlagern, da diese ja später noch eventuell von jüngeren Geschwistern genutzt werden könnten (Umsortierungsgefahr vom Kinderzimmer in den Keller).

Sinnvoll ist es dagegen, die Geschenkberge im Vorwege zu reduzieren. Großeltern sind sehr empfänglich für den Hinweis, dass sich die Enkel doch am liebsten Zeit mit Ihnen wünschen. So ist mein Vater (70) mit meinem Sohn (6) als Geburtstagsgeschenk in das Hansaland gefahren. So eine gemeinsame Fahrt in der Loopingbahn namens Nessie (diese Fahrt hat tatsächlich stattgefunden – die Rentner sind auch nicht mehr das, was sie mal waren) schweißt dann ja auch intergenerationär zusammen. Ähnlich ist es Weihnachten, Theaterkarten oder Gutscheine für Übernachtungen bei den Großeltern erfreuen sich hoher Beliebtheit, nehmen kein Platz im Kinderzimmer in Anspruch und schaffen nebenbei für die Eltern Raum für einen gemeinsamen Theaterbesuch.

Fazit: Aussortieren und Zeit schenken hilft.

Frohe Weihnachten 2013

Bitte folgen und liken Sie ganz-hamburg.de
Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial