Bitteres Corona-Jahr 2020 für den Hamburg Airport

zwei Flugzeuge auf dem Vorfeld des Hamburger FlugplatzesDas Vorfeld des Hamburg Airport (c) Hamburg Airport / Michael Penner

Trotz striktem Sparkurs: Hamburg Airport schreibt seit 25 Jahren erstmals wieder rote Zahlen.

Allein das Hamburger Passagieraufkommen ging im letzten Jahr um um 73,7 Prozent zurück. Bittere Folge der Corona-Krise, der Hamburg Airport (51% der Anteile hält die Stadt Hamburg) hat das Geschäftsjahr 2020 erstmals mit einem Verlust von 113 Millionen Euro abgeschlossen. Wenn das Airport-Management nicht so konsequent auf die Kostenbremse getreten hätte, wäre das Defizit sogar um 13% höher ausgefallen.

Michael Eggenschwiler
Michael Eggenschwiler (Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Hamburg)
(c) Hamburg Airport / Michael Penner

„Die Luftfahrt befindet sich faktisch seit einem Jahr im Lockdown. Das hat natürlich Spuren in unserer Bilanz hinterlassen. Unseren Gesellschaftern konnten wir im letzten Vierteljahrhundert eine Summe von rund 900 Millionen Euro aus unseren Gewinnen überweisen. Zum ersten Mal müssen wir nun ein negatives Ergebnis vorlegen. Das ist ein herber Schlag.“

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Airport

Überall tiefrote Zahlen

Der Umsatz ist um 56,5% auf 119,6 Millionen Euro (2019: 274,8 Millionen Euro) zurückgegangen. Die Investitionen wurden drastisch auf 52,7 Millionen Euro (2019: 115,9 Millionen Euro) gesenkt. Die größten Investitionsprojekte waren die Fertigstellung des Vorfelds 1 und die Anpassung der Gepäckförderanlage. Geplante Investitionsvorhaben, wie die Pier Süd Rückseite oder die Fertigstellung der Shuttle Gates, wurden gestoppt.

Nur noch 4,56 Millionen Passagieren (26,3% des Vorjahres) zählte der Flughafen. Die Starts- und Landungen sind um 56,8% auf 66.300 Flüge gesunken (2019: 155.200 Flüge). Der Linien- und Touristikverkehr war davon überproportional betroffen: Die Zahl der Starts und Landungen sank um 63 Prozent von rund 140.800 Flügen in 2019 auf rund 52.100 Flüge im Jahr 2020. Einziger kleiner Lichtblick war die Luftfracht.

Anzeigetafel Flughafen
Zum Höhepunkt des Corona-Lockdowns, kaum Flugbewegungen in Hamburg © ganz-hamburg.de

Rotstift, Kurzarbeit und Stilllegungen

Ziel des Managements war es,möglichst alle Kosten, ohne den Flughafen zu schließen, auf ein Minimum zu senken. Der Terminal 2 und mehrere Parkhäuser wurde geschlossen. Im März 2020 wurde Kurzarbeit, die bis in dieses Jahr hineinläuft, angemeldet. Investitionsprojekte wurden zum großen Teil gestoppt oder verschoben.

Geschlossener Imbissbetrieb Hamburg Airport
In den Terminals des Hamburg Airport haben viele Geschäfte und Gastronomien geschlossen © ganz-hamburg.de

Wird das Sommergeschäft die Wende bringen?

In diesem Jahr plant der Flughafen sein Defizit auf ca. 90 Millionen Euro zu senken. Mögliche Bundeszuschüsse sind darin noch nicht berücksichtigt. In diesem Jahr wird mit 7,5 Millionen Passgieren gerechnet.

Die Airlines weiten schrittweise das Flugangebot aus. Im Sommer werden 45 Airlines zu ca. 105 Zielen von Hamburg abheben. Drei Airlines sind neu in Hamburg: Nordwind wird ab April regelmäßig nach Moskau fliegen. Sky Up startet zweimal wöchentlich nach Kiew und DAT fliegt dreimal wöchentlich nach Saarbrücken.

Die Klimaschutz-Ziele werden weiter mit höchster Priorität verfolgt. Ab Ende 2021 will Hamburg Airport CO2-neutral wirtschaften und als erster deutscher Flughafen den Zertifizierungslevel 3+ der Airport Carbon Accreditation erreichen.

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