Der Hamburg Airport leidet schwer an den Folgen des Corona-Lockdowns

Leerer Flughafen Hamburg Terminal während des Corona-Lockdowns 2020Gähnende Leere während des Corona-Lockdowns (c) Ariport Hamburg / Oliver Sorg

Die Folgen des Corona-Lockdowns zwingen den Hamburger Flughafen einen konsequenten Sparkurs auf

Nich wegen Missmanagement wie in Berlin, sondern als Folge des Corona-Lockdowns fährt der Hamburg Airport in diesem Jahr ein sattes Minus von 100 Mio. Euro ein. Auch für die kommenden Jahre rechnet Eggenschwiler weiter mit roten Zahlen.

„Wir waren und sind ein gesundes Unternehmen – und sichern jetzt unsere Zukunft. Dabei müssen wir jeden Stein umdrehen“

Michael Eggenschwiler

Zu Gute kommt dem Flughafen, dass bereits Mitte 2019 das Modernisierungsprogramm HAM Flex, um die Unternehmensgruppe für die neuen Herausforderungen der Luftverkehrsbranche aufzustellen, gestartet wurde. So wurden frühzeitig, als alles noch ‚gut‘ war, Handlungsfelder identifiziert und Maßnahmen zur Kostensenkung und Erlössteigerungen auf den Weg gebracht worden.

Die Corona-Krise hat noch mehr Kostensenkungsmaßnahmen erforderlich gemacht. Zu den betrieblichen Ad-hoc-Maßnahmen wurden größere Projekte verschoben,

„Die beeinflussbaren Kosten haben wir bereits massiv gesenkt. Aber rund die Hälfte der Kosten sind fix. Sie entstehen, sobald der Flughafen geöffnet ist – unabhängig vom Verkehrsaufkommen“,

so Eggenschwiler.
Geschlossener Imbissbetrieb Hamburg Airport
In den Terminals des Hamburg Airport haben viele Geschäfte und Gastronomien geschlossen © ganz-hamburg.de

Der Hamburger Flughafen legt Investitionen auf Eis und will Personal abbauen

Ganz praktisch bedeuten die düsteren, aber wohl nicht unrealistischen, Aussichten, dass künftig der Rotstift in Fuhlsbüttel regiert. Kosten werden, wenn möglich gesenkt und schon geplante Investitionen, wie wie die Inbetriebnahme der Shuttle Gates oder der Baubeginn der notwendigen, neuen Gepäckförderanlage, werden in die Zukunft verschoben.

Bis Ende 2023 ist ein Personalabbau von rund 200 Stellen geplant. Er soll zwar sozialverträglich und unter Nutzung der Vorruhestandsregelungen in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat ausfallen , doch weg ist weg. Ein Großteil der Flughafen Mitarbeiter ist in Kurzarbeit und bleibt es. Der bestehende Einstellungsstopp wird nicht aufgehoben.

Die meisten Beschäftigten sind bereits seit dem Frühjahr in Kurzarbeit – und bleiben es bis auf weiteres auch. Auch der Einstellungsstopp wird erst mal verlängert. Gleichzeitig sollen bis zum Jahr 2023 rund 200 Stellen wegfallen – sozialverträglich, wie der Flughafenchef betonte. Dazu werde mit dem Betriebsrat auch über Vorruhestandsregelungen verhandelt.

Flugtafel während der Corona-Krise in Hamburg
Kaum Starts und Landungen in Hamburg während des Corona-Lockdowns © ganz-hamburg.de

Es wird stiller in den Terminals

Im Service-, Dienstleistungs- und Handelsbereich kann angenommen werden, dass hier auch hier viele Jobs wegfallen. Dazu kommen die Stationsauflösungen von Ryanair, TUIfly und Easyjet, die unterm Strich auch ein paar Hundert Jobs, die wegfallen, ergeben. Weniger Passagiere, dass bedeutet auch weniger Gäste, Kunden und Umsatz in der Gastronomie, bei Mietwagen und im Duty-free Bereich.

So hat der Corona-Lockdown den Flughafen verändert

Die aktuellen Verkehrszahlen

  • Pro Tag nur noch ca 5.000 Passagiere und 70 bis 80 Flugbewegungen
  • Die Auslastung der Flüge steigt von 19% im April auf 45% im Mai und 55% im Juni
  • Zum Vergleich:
    Im letzten Jahr betrug die Flug-Durchschnittsauslastung 77,9%
  • Die niedrigsten Tageswerte wurden am 11. April 2020 mit 177 Passagieren und am 10. und 13. April mit jeweils nur zwölf Flugbewegungen gezählt.

Verkehrszahlen 2020

  • 2,68 Millionen Passagiere (minus 66,1 Prozent, 5,22 Mio. Fluggäste weniger als im Vorjahr) vom 01.01. – 24.06.2020
  • 27.537 gewerbliche Flugbewegungen (minus 58,5 Prozent)

Verkehrszahlen 2019 (Gesamtjahr)

  • ca. 17,3 Millionen Passagiere (plus 0,4 Prozent im Vergleich zu 2018)
  • ca. 155.000 Flugbewegungen (minus 0,8 Prozent im Vergleich zu 2018)
  • Pro Tag durchschnittlich ca. 48.000 Passagiere

Das aktuelle Szenario für die Entwicklung der Passagierzahlen

  • 2020: 8 Millionen Passagiere (minus-54 Prozent, 9 Mio. Fluggäste weniger als 2019)
  • Im Folgejahr 2023 liegen die Passagierzahlen liegen 20 Prozent unter dem Niveau vor der Corona-Krise
  • Beste Case 2025, das Niveau vor der Corona-Krise wird wieder erreicht sein.

Wirtschaftliche Entwicklung

  • Im Jahr wurden 32,2 Millionen Euro (2018: 36,1 Mio. Euro) Gewinn erwirtschaftet
  • Im Corona-Jahr wird ein Verlust von mindestens 100 Millionen Euro erwartet
  • Die Kosten für Vorhaltung und Betrieb der Infrastruktur liegen bei 120 Mio. Euro pro Jahr
  • Mitarbeiterinnen Hamburg Airport Gruppe:
    – 2.027 Beschäftigte (Stand Mai 2020) im Vorjahr waren es 2.112 Beschäftigte (davon 867 bei der Flughafen Hamburg GmbH)

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