Sanft wiegen die Elbwellen – Schlafen im Hafen auf dem Hotelschiff Lydios

Hotelschiff Lydios in Hamburg Harburg HeckansichtDas Hotelschiff Lydios im Harburger Hafen (c) Angelika Fischer

Ganz sicherlich ist das Hotelschiff Lydios eines der originellsten Hamburger Hotels. Schlafen im Hafen auf einem historischen Binnenfrachter in Harburg.

von Angelika Fischer
Mehr als hundert Jahre alt und die Falten sind wie weggebügelt. Die Lydios, Baujahr 1914, stammt aus dem Kempenland an der niederländisch-belgischen Grenze und war ein Jahrhundert lang als Schüttgutfrachter auf dem Niederrhein zwischen Holland, Belgien und Deutschland unterwegs. Sie hatte Kohle, Sand, Salz, Kies oder Viehfutter  geladen – bis zu 620 Tonnen Fracht.

Als sie nach über 100 Jahren ausgedient hatte, wurde sie durch glückliche Umstände vor dem eigentlich fälligen Abwracken bewahrt. Stattdessen feierte sie nach  gut zweijähriger Umbauphase im Oktober 2018 ihre Wiedergeburt als Hotelschiff und startete im Museumshafen Hamburg-Harburg in ein neues, zweites Leben. 

Marcel Klovert
Der Käpt’ der Lydios: Marcel Klovert (c) Angelika Fischer

Ihr Eigner Marcel Klovert ist Baujahr 1968, also etwa halb so alt wie sein Schiff. Er stammt aus Rotterdam, hat in jungen Jahren fast alle Kontinente dieser Welt bereist und lebt jetzt seit über 25 Jahren in Hamburg.

Während der Elternzeit mit Frau und Kind in Südostasien kam ihm die Idee, ein Schiff zu kaufen, es zu einem Hotel umzubauen und damit Gäste aus aller Welt zu sich nach Hamburg zu holen. Mit der Lydios, benannt nach einer von Sorgen befreienden Gottheit aus der griechischen Mythologie, fand Klovert 2016 dann in Holland sein persönliches „Traumschiff“, erwarb es für 42.000 Euro und überführte es nach Hamburg.

In liebevoller Eigenarbeit baute er in den Laderaum vier Doppelzimmer und eine Suite für bis zu vier Personen ein. Dabei kam ihm sein ursprünglich erlernter Beruf als Konstruktionsmechaniker bestens zugute.

Ich habe diesen Beruf zwar einmal gelernt, mir aber nach Abschluss der Lehre eigentlich geschworen, ihn niemals praktisch auszuüben“, berichtet Klovert augenzwinkernd. „Das hat sich dann aber vor gut vier Jahren geändert, als ich dieses Schiff gekauft und es in ein schwimmendes Hotel verwandelt habe. Der gesamte Umbau hat locker zwei Jahre gedauert und an die 200.000 Euro gekostet, bis wir dann im Oktober 2018 eröffnen konnten.“

Logo Hotelschiff Lydios
Schlafen im Hafen – Kanal 77 (c) Angelika Fischer

Kanal 77 – Schlafen im Harburger Hafen

Seitdem liegt die „Lydios“ als Wohn- und Hotelschiff mit dem Namenszusatz „Kanal 77 – Schlafen im Hafen“ fest vertäut und verankert am Lotsekai im Harburger Binnenhafen.

Alle fünf Zimmer sind ausgestattet mit eigenem Bad, Bullaugen und Holzdielen. Dabei sind sie hell und lichtdurchflutet durch die in die hohen, schrägen Decken eingelassenen Dachfenster.

Der große, gemütliche Aufenthaltsraum, in dem Klovert auch das Frühstück serviert, ist bestens dafür geeignet, dass die Gäste auch miteinander ins Gespräch kommen.

Seinen Namenszusatz „Kanal 77“ verdankt das Hotelschiff übrigens einem besonderen Funk-Kanal: Wie Klovert erläutert, kommunizieren Schiffer, Hafenmeister und  Schleusenwärter auf den meisten Funk-Kanälen nur in äußerst knappen Worten. Die Doppelsieben hingegen wurde eingerichtet, damit die Schiffer auch mal in Ruhe klönen, plaudern und miteinander schnacken  können – so, wie nun auch die Gäste im Wohnzimmer des schwimmenden Hotels.        

„Unsere Gäste auf der ‚Lydios‘ sind entweder Geschäftsleute, die im Süderelbegebiet zu tun haben, oder es sind Touristen, die etwas Besonderes mit authentisch-maritimem Ambiente suchen“, berichtet Klovert. „Gemeinsam ist ihnen, dass nahezu alle beim Abschied sagen, dass sie auf jeden Fall wiederkommen wollen…!“ 

Übrigens: Wer ungestört und ohne andere zu stören tagen oder feiern möchte, kann auch das ganze Schiff für Veranstaltungen wie Seminare, Workshops, Familien- oder Betriebsfeste mieten.

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