Das war wohl eine Sternschnuppe! Das Gourmet-Restaurant Lakeside im Nobelhotel The Fontenay verzichtet künftig auf seinen Stern

Hotel Hamburg AußenansichtThe Fontenay Impressionen © ganz-hamburg.de

Das Nobelhotel an der Außenalster positioniert seine Gastronomie um und macht Downsizing.

von Heinrich von Schlicht
Schade, Hamburg verliert einen Michelin-Stern. Das Restaurant „Lakeside“ trennt sich von Sternekoch Cornelius Speinle. Dafür wird ein alter Name im nächsten Jahr neu belebt.

Vielleicht kam es für Insider der Hamburger Hotel-Sszene nicht ganz überraschend, doch das „Downsizing“ des gesamten Gastronomie-Konzeptes im Nobelhotel The Fontenay schlug trotzdem heftig ein. Vom Start weg hatte es der Schweizer Sternekoch Cornelius Speinle geschafft, für das hoteleigene Gourmet-Restaurant „Lakeside“ einen Michelin-Stern zu erkochen.

Restaurant Lakeside im The Fontenay – Küchenchef Cornelius Speinle Foto: The Fontenay

Jetzt verlässt Speinle überraschend das Haus. Der offizielle Grund: Er möchte sich nach der Geburt seines zweiten Kindes mit Beginn seiner Elternzeit im November 2019 nach gut anderthalb Jahren aus dem Fünf Sterne Superior Hotel an der Außenalster verabschieden und werde danach auch nicht zurückkehren. Nach den Michelin-Regularien wird damit das „Lakeside“ automatisch seinen Stern verlieren, denn der Stern hängt grundsätzlich nicht am Restaurant, sondern am Koch.

Eine Gastro-Etage tiefer:  Vom Sterne-Niveau geht es auf gehoben-internationales Niveau

Doch damit nicht genug, das Nobelhotel richtet sein gesamtes gastronomisches Konzept zum Jahresbeginn 2020 neu aus. Das Gourmet-Restaurant „Lakeside“ im siebten Stock wird künftig nicht mehr die Wirkungsstätte eines Sternekochs sein.

Wenn Speinle das Haus verlassen haben wird, also gegen Mitte November 2019, werden die Menükarte und die Ambitionen sich nur noch an der „gehobenen internationalen Küche“ ausrichten. Also, de facto eine Gastro-Etage tiefer.

General Manager Thies Sponholz mit Küchenchef Stefan Wilke (vl) © ganz-hamburg.de

Die Verantwortung übernimmt dann der Küchenchef des The Fontenay, Stefan Wilke. Er ist seit Eröffnung des Hotels als Küchenchef dabei und war zuvor mehrere Jahre in gleicher Position auf dem Luxus-Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ tätig.

Bis Anfang 2020 soll das „Lakeside“ nur abends geöffnet sein. Danach ist wieder eine Mittagsöffnung geplant.

Über den Abgang von Speinle gibt es etliche Mutmaßungen in der Hamburger Gastro-Szene und in der Tagespresse. Hinter vorgehaltener Hand wurde immer über eine nicht hinreichende Auslastung gemunkelt.

Dass das Gourmet-Restaurant nach relativ kurzer Zeit nur noch abends geöffnet hatte, ist durchaus ein Indiz dafür. Ein Michelin-Stern allein lockt nicht automatisch Gäste an. Heute muss die Spitzengastronomie sehr viel in Beziehungsmarketing investieren. Das ist ein langer und nicht ganz preiswerter Prozess.

Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne steht schon in dem Ruf, dass er auch mit Cent-Beträgen rechnen kann, denn Logistik ist ein knallhartes und sehr preissensibles Geschäft.

Zu vermuten ist, dass der Eigentümer hier deutlichen Handlungsbedarf sah, der über „milde Bordmittel“ hinausgeht. Über die geplante Neuausrichtung gab es wohl vermutlich nicht überbrückbare Differenzen.

Heutzutage ist der gesamte Gastronomie-, Bar- und Restaurant-Bereich mehr als ein Prestige-Objekt und Imageträger in einem Hotel. Der Grund: Ohne ausreichenden Gastronomieumsatz lässt sich kein gehobenes oder Luxushotel mehr wirtschaftlich betreiben. Der Ertrag aus der Zimmervermietung, die aufgrund des Angebots und der Buchungsportale stark unter Preisdruck steht, reicht nicht aus. Als erster hat dies übrigens Eugen Block mit seinem Grand Elysée Hotel erkannt. Vom Start weg hat er das gastronomische Angebot konsequent darauf ausgerichtet. Der wirtschaftliche Erfolg und die Auslastung der Restaurants haben ihm Recht gegeben.

Die „Osteria Due“ kommt wieder

Im Erdgeschoss wird das bisherige Restaurant „Parkview“ neu positioniert. Zukünftig wird es zum  Frühstücksrestaurant für Hotelgäste und ist abends für alle Gäste geöffnet.

Gleichzeitig wird ein alter Plan umgesetzt. Zum Jahresbeginn 2020 wird es anstelle des „Parkview“ wieder eine „Osteria Due“ mit italienisch-mediterraner Küche geben. Schon in der Planungs- und Bauphase war The Fontenay-Eigner Klaus-Michael Kühne daran interessiert, dass der Promi-Italiener aus der Badestraße bei ihm einzieht. Doch damals kam man nicht zusammen. Allerdings, das Team des Promi-Italieners ist vor vier Jahren in die Milchstraße gezogen und hat sein eigenes Restaurant eröffnet.

Weiterhin soll im Lauf des Jahres 2020 ein Tagescafé eröffnet werden. Sicherlich auch ein Ansatz, um die Wirtschaftlichkeit des Hotels zu verbessern und das Haus auch bei Hamburgern populärer zu machen.

Das Fazit

Wer in Hamburg in einem Luxushotel mit Sterne-Küche übernachten möchte, für den gibt es ab jetzt nur noch drei Adressen: das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten mit dem Restaurant „Haerlin“ an der Binnenalster, das Hotel Louis C. Jacob mit dem „Jacobs Restaurant“ an der Elbchaussee und das Hotel und Restaurant Süllberg in Blankenese mit dem Restaurant „Seven Seas“.

Über allen drei genannten Restaurants glänzen sogar zwei der begehrten Michelin-Sterne. Das The Fontenay hingegen, welches ursprünglich mit dem Anspruch angetreten war, in der Luxushotellerie neue Maßstäbe zu setzen, ist zurückgerudert und hat zumindest seinen gastronomischen Anspruch erheblich heruntergeschraubt. 

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