Von Jules Verne inspiriert: Die Maschinen von Nantes

Der Reiherbaum wird in Nantes gebautDie Maschinen von Nantes, der Reiherbaum im Bau (c) Nantes Tourisme

L’île de Nantes, aus dem ehemaligen Werftgelände wurde ein künstlerischer Freizeitpark

von Angelika Fischer
Nantes an der Loire galt seit Jahrhunderten als traditionsreiche Hafenstadt, die ihren Wohlstand Seefahrt, Handel und Schiffbau verdankte. Zum Teil leider unrühmlich, denn zum Reichtum haben auch die rund 300 Sklavenschiffe beigetragen.

In den letzten Jahren jedoch hat die Stadt ihr Image radikal gewandelt, hin zur Kunst- und Kulturmetropole. Das spektakulärste Projekt dieser Art wurde und wird auf dem ehemaligen Werftgelände der Loire-Insel verwirklicht: „Les Machines de l’île de Nantes.“ Künstlerische Avantgarde und moderne Technik sind hier eine Symbiose eingegangen und haben einen Freizeit- und Vergnügungspark geschaffen, bevölkert von phantastischen Tieren:  beweglichen und begehbaren Kunstobjekten, die Besucher aller Altersklassen faszinieren.

Die Galerie der Maschinen in Nantes mit Besuchern
Vol du Héron. La Galerie des Machines. Les Machines de l’île. Nantes
© Jean-Dominique Billaud/LVAN

Les Machines de l’île de Nantes

Entstanden sind so neuartige und gleichzeitig nostalgische Maschinen, die Ideen aufgreifen aus dem  mechanischen Universum Leonardo da Vincis, den berühmten Automaten des 19. Jahrhunderts, den imaginären Welten von Jules Verne und der Industriegeschichte von Nantes. Doch während mit den Automaten des 19. Jahrhunderts versucht wurde, die Natur möglichst täuschend nachzuahmen, verleugnen die modernen Kunstobjekte nicht ihren maschinellen Charakter und bieten bei aller Lebensechtheit auch Einblicke in die Konstruktion ihres „Innenlebens“ und ihrer technischen Funktionen.

Dem alten Werftgelände, das nach der Verlagerung des Schiffbaus von Nantes nach St. Nazaire brachlag, wurde durch dieses Ausstellungsprojekt neues Leben eingehaucht. Ebenso wurden für  ehemalige Werftarbeiter neue Arbeitsplätze geschaffen. Als Maschinenbediener sind sie zum Teil von außen sichtbar, zum Teil im Inneren der Objekte verborgen tätig.  Die 1999 gegründete Gruppe „La Machine“, bestehend aus Künstlern, Architekten, Ingenieuren und Handwerkern unter der Leitung der beiden Ideengeber François Delarozière und Pierre Orefice, ist mit ihrer Arbeit noch keineswegs am Ende.

Als erstes „Kind“ wurde 2007 „Le Grand Éléphant“ geboren: Mit 12 Metern Höhe, 21 Metern Länge, über 48 Tonnen Gewicht und einer Beförderungskapazität von maximal 50 Personen ist es das größte bis dato fertiggestellte Objekt.

Das Karussell von Nantes am Abend
Das Karussell machine de l’ile Jean-Dominique Billaud

2012 wurde das „Carrousel des Mondes Marins“ eröffnet: ein 25 Meter hohes, dreistöckiges „Karussell der Unterwasserwelten“, bevölkert von 35 phantastischen Seeungeheuern und Meerestieren. Auf oder in ihnen nimmt man Platz und kann während der Fahrt die Bewegungen per Hebel und Pedal selbst steuern. Dieses Kunstwerk nähert sich besonders der Vorstellungswelt von Jules Verne an, dem berühmten Sohn der Stadt Nantes, dessen Museum  der Insel gegenüber am Ufer der Loire liegt.

Die Maschinen von Nantes in Liverpool
La Princesse im Aktion Foto: Jean-Dominique Billaud, LVAN

Ein weiteres von Delarozière entworfene Objekt ist „La Princesse“: eine 13 Meter lange und 37 Tonnen schwere aus Stahl und Holz gefertigte Riesenspinne. Sie wurde 2008 zum ersten Mal in England präsentiert aus Anlass der Ernennung Liverpools zur europäischen Kulturhauptstadt. Mehrere Tage lang stolzierte das achtbeinige Fabelwesen damals durch Liverpool, zog die Menschenmassen an und sorgte für Verblüffung.

Planungszeichung des Reiherbau - Maschine von Nantes
Die Maschinen von Nantes – Entwurf des Reiherbaum (c) Nantes Tourisme

Bald neu: Der Reiherbaum

In Arbeit befindet sich zur Zeit das Objekt „L’Arbre aux Hérons“, der „Reiherbaum“: ein  monumentaler Baum aus Stahl, 35 Meter hoch und 50 Meter breit, mit begehbaren Ästen. Er wird überragt von zwei riesigen Reihern, auf deren Flügeln die Besucher zu einem Rundflug starten können.

Momentan gibt es dieses Werk in einer der Hallen als Modell zu sehen, das Original befindet sich noch im Bau und soll 2023 fertiggestellt sein. Erste Reiher „fliegen“ aber schon in einer der Lagerhallen oben unter der Decke… Auf der île de Nantes wurden die in drei ehemaligen Lagerhallen öffentlich ausgestellten Objekte von Beginn an von der Bevölkerung begeistert angenommen.

Der Elefant mit Publikum
Alle haben Spaß, wenn der Elefant laut trompetet und Wasser aus seinem Rüssel spritzt
Foto: Angelika Fischer

Besucher jeden Alters strömen in Scharen herbei, wenn das Prachtstück der Ausstellung, der riesige Elefant, zum Leben erwacht, sich Schritt für Schritt in Bewegung setzt, dabei laut trompetet und Wasser aus seinem Rüssel spritzt. Nicht nur die bis zu 50 Passagiere auf seinem Rücken und in seinem offenen Bauch haben ihren Spaß, sondern auch die vielen großen und kleinen Zuschauer, die den Elefanten umringen und begleiten auf seinem gut halbstündigen Spaziergang von der großen Halle bis zum Karussell und wieder zurück.

Anreise Hamburg – Nantes

Die Fahrzeit mit dem Auto beträgt 12 Stunden für 1.300 km.

Mit der Bahn nach Nantes ist man ebenfalls zwölf Stunden unterwegs. Es bieten sich die Routen über Karlsruhe (ICE und TGV) oder via Köln (IC, Thalys, TGV) an.

Die Air France fliegt direkt von Hamburg nach Nantes (gut zwei Stunden) Die KLM mit einem Umstieg in Amsterdam (gut vier Stunden).

Alternative Flug und Bahn: Mit dem Flugzeug bis Paris Flughafen Charles de Gaulle, von dort verkehrt ein TGV direkt nach Nantes (Fahrzeit rund 3 Stunden 20 Minuten) bzw. mit Umstieg auf einen TER-Zug (Regionalbahn).

Mehr Infos unter Nantes Tourisme. und lesmachines-nantes.fr/de/

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